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Last Call! – Der Marktbericht am Abend: Mit BMW, Zalando, AMD, Lyft und Uber, Hilton und Wendys

Guten Abend,

kann es sein, dass die Börse einen Wahlsieg von Donald bereits vorwegnimmt? Natürlich ist das etwas früh und mit hohem Unsicherheitsfaktor behaftet, aber an der Wall Street spekuliert man eher auf Beständigkeit als auf Veränderung. Das mag nicht jedem gefallen, aber Donald ist für die Börse berechenbarer als Joe.

Entscheidend für den weiteren Verlauf ist Klarheit, und nicht die Frage ob der eine oder andere ins Weiße Haus einzieht. Denn wirtschaftspolitisch gesehen unterscheiden sich die beiden Kontrahenten in wichtigen Fragen aus Sicht der Wall Street nur marginal. Und was die Außenpolitik betrifft ist die Wall Street eh eher desinteressiert. Die Marktteilnehmer wollen also eine klare Entscheidung und das möglichst rasch.

Sollte dies innerhalb dieser Woche nicht absehbar sein, sondern sich das Ganze um Tage oder Wochen hinauszögern, insbesondere wenn Donald vor das oberste Gericht zieht, dann steht der Börse eine anhaltende Warteschleife ins Haus. Aus rein technischer Sicht ergäbe das dann eine fortlaufende Konsolidierung auf hohem Niveau ohne klare Tendenz. In diesem Szenario bleibt den klugen Anleger dann nichts anderes übrig als auch das klassische Stock Picking zu setzen. Die Hoffnung auf eine Weihnachtsrallye schwindet dann leider auch.

Aber warten wir es ab. Die Amerikaner sind immer wieder für eine Überraschung gut und daher übe ich mich diese Woche eher in Zurückhaltung, lehne mich zurück, schau mir das ganze Spektakel im Fernseher an und warte ab, bis Entscheidungen gefällt sind.

Die aktuelle Lage:

DAX: Das technische Bild des Dax schaut besser aus als es die Umstände vermuten lassen würden. Denn weder gibt es positive Nachrichten seitens der weltweiten Infektionszahlen noch Klarheit darüber, wie die Wahl in den USA ausgehen wird. Aber offenkundig sind die Börsianer wesentlich zuversichtlicher als die allgemeine Stimmung und das ist zunächst einmal ein gutes Zeichen, denn üblicherweise ist es genau umgekehrt: Verunsicherung lässt die Kurse sinken und nicht steigen.

Irren die Marktteilnehmer also hier? Mitnichten! Sie unterscheiden lediglich zwischen der medialen Geräuschkulisse zu den obigen beiden Themen und den tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten beziehungsweise den Trends in den wichtigen Sektoren. Denn wer genau hinschaut erkennt, dass die Wirtschaft bestens in der Lage ist sich den widrigen Umständen anzupassen! Und nur das zählt!

Wall Street: Auch in New York entsteht der Eindruck als wäre die Wahl quasi schon abgehakt. Das ist sie natürlich nicht wie wir alle wissen, aber vermutlich wird es schneller eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung geben, als derzeit in den Berichterstattungen vermutet wird. Dennoch wage ich mich hier noch nicht aus der Deckung, sondern warte diese Woche noch ab, um zu beobachten wie die Tagesmeldungen das Geschehen auf dem Parkett beeinflussen.

Aber solange die Indexstände sich auf hohem Niveau halten können bin ich vollends zufrieden. Mehr kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach nicht erwartet werden. Positiv: die Berichterstattung der Unternehmen verläuft ebenfalls in der Tendenz positiv da zahlreiche Unternehmen Zahlen liefern die deutlich über den Konsensschätzungen liegen und auch die Erwartungen für das verbleibende Geschäftsjahr trotz der Pandemie eher positiv ausfallen. Auch hier zeigt sich: Die Welt beginnt sich mit dem Virus abzufinden.

Heute auf der Agenda:

Reichen die guten Zahlen bei BMW für ein Kaufargument aus? Immerhin konnte BMW im dritten Quartal wieder Boden gut machen und der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag zwischen Juli und Ende September bei gut 1,92 Milliarden Euro. Damit traf BMW die Analystenerwartungen und BMW hatte ja bereits mitgeteilt, dass es die Fixkosten gesenkt und Investitionsausgaben gekürzt hatte, um seine Lage zu verbessern. Den Ausblick bestätigte BMW.

Die wichtige Kernsparte mit dem Automobilbau verzeichnete zudem eine operative Rendite von 6,7 % und unter dem Strich verdiente BMW 1,82 Milliarden Euro und damit sogar gut 17 % mehr als vor einem Jahr. Das Kerngeschäft hat mit dem operativen Ergebnis wurde also um 29 % übertroffen und die Markterwartung um 9 %. Klar ist auch, dass die gute Entwicklung in China hat zum Gewinnanstieg beigetragen hat. Fazit: Das sind gute zahlen keine Frage. Aber ob diese reichen, um den Abwärtstrend der Aktie seit 2018 zu brechen wird sich jetzt zeigen müssen. Ich warte auf ein entsprechendes Signal vom Markt und würde dann mit einer Anfangsposition einsteigen. Denn eines ist auch klar: BMW hat noch keine griffige Perspektive für den Wandel Weg vom Verbrennungsmotor. Es fehlt also an Goodwill seitens des Pakets.

Die Corona-Pandemie beschert den Schreihälsen von Zalando gute Geschäfte. Im dritten Quartal konnte der Internethändler den Umsatz um 22 % auf 1,85 Mrd. Euro steigern. Neben der anziehenden Nachfrage nach Digitalangeboten im Zuge der Pandemie profitiert Zalando auch von der guten Entwicklung der Partnerprogramme. Da sich die Kollektionen aus dem Frühjahr und Sommer außergewöhnlich stark verkauften konnte Zalando Wertberichtigungen in Höhe von 35 Mio. Euro auflösen. Dies wirkt sich positiv auf die Profitabilität aus: Das bereinigte Ergebnis erreichte mit 118,2 Mio. ein Vielfaches des Vergleichswertes aus dem Vorjahr von 6,3 Mio. Euro.

Unter dem Strich steht ein Gewinn i.H.v. 58,5 Mio. Euro an, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Verlust von 13,6 Mio. Euro angefallen war. Ein klarer Krisengewinner, keine Frage, und wahrscheinlich werden die Zahlen zum vierten Quartal nochmals besser ausfallen da auch der leichte Lockdown zahlreiche Kunden dazu bewegen wird doch nicht in die Städte zu fahren, sondern zu Hause zu bleiben. Die Frage ist, ob und wann sich die Wachstumskurve anfängt abzuflachen. Fazit: Kann man selbst auf dem aktuellen Niveau noch kaufen.

Chart Zalando

Chart Zalando

Kurz von der Wall Street:

Hilton Worldwide meldete einen Quartalsgewinn von 6 Cent pro Aktie, verglichen mit den Erwartungen eines Verlusts von 2 Cent pro Aktie. Der Umsatz lag jedoch unter den Prognosen der Wall Street, da der vergleichbare Umsatz pro verfügbarem Zimmer gegenüber dem Vorjahr um fast 60% zurückging. Das mag sein, aber ein Blick auf den Chart zeigt, dass die Wall Street auch hier bereits bald ins nächste Jahr hineindenkt. Gelingt der Break über 96 Dollar, ist die Aktie ein Kauf.

Die Restaurantkette Wendys übertraf die Schätzungen um 2 Cent pro Aktie bei einem Quartalsgewinn von 19 Cent pro Aktie. Die Einnahmen blieben hinter den Prognosen zurück. Der weltweite Umsatz mit vergleichbaren Restaurants stieg um 6,7% und übertraf damit die FactSet-Konsensschätzung von 5,4%. Solange die Restaurants in den USA offenbleiben, und danach sieht es auch weiterhin aus, werden sich diese Titel halten können. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zwingend ein Kauf, aber die Aktie gehört zumindest auf die Beobachtungsliste für das kommende Jahr.

Lyft und Uber: Nachdem die kalifornischen Wähler die „Proposition 22“ gebilligt haben, erhalten die Aktien einen Aufschwung, da dieser Vorschlag es diesen und anderen Unternehmen der „Gig Economy“ ermöglicht, Arbeitnehmer eher als unabhängige Auftragnehmer denn als Arbeitnehmer zu klassifizieren. Hier wird gerade Arbeitsmarktgeschichte geschrieben! Denn wenn dieser Vorschlag auch in der Breite an Zustimmung gewinnt, dann ist das Thema vom Tisch und die Geschäftsmodelle der beiden Anbieter bleiben unverändert intakt. Damit entfällt ein riesiger Ballast und die Wachstumsstories können sich fortsetzen.

AMD wurde bei Goldman Sachs von „neutral“ auf „kaufen“ umgestellt. Dabei wurden die Bewertung des Chipherstellers, die soliden Fundamentaldaten und die Traktion auf den Märkten für PCs und Server angeführt. Wie ich es an dieser Stelle schon mehrfach unterstrichen habe: alle Halbleiteraktien sind ein klarer Kauf ohne Wenn und Aber.

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