Handelskonflikt und Zinspolitik belasten globale Wirtschaftsaussichten

Verschärfte Spannungen zwischen USA und China sowie restriktive Geldpolitik der Zentralbanken prägen die Finanzaussichten im Frühjahr 2025.

Die Kernpunkte:
  • USA-China-Konflikt gefährdet Wirtschaftswachstum
  • Zentralbanken reagieren auf Inflationsdruck
  • Staatsverschuldung erreicht kritische Höhen
  • Tech-Unternehmen spüren Bewertungsdruck

Die globalen Finanzmärkte stehen im Frühjahr 2025 vor bedeutenden Herausforderungen, während sich der Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter verschärft. Trotz laufender Verhandlungen bereitet sich China auf höhere US-Zölle vor, während Unternehmen weltweit versuchen, ihre Rekordgewinne gegen drohende Einbußen durch Handelshemmnisse zu verteidigen. Die angespannte Situation zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt belastet zunehmend die Wachstumsaussichten und treibt Zentralbanken zu restriktiveren geldpolitischen Maßnahmen.

Handelskonflikt zwischen USA und China verschärft sich

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China spitzt sich weiter zu. Nach Einschätzung von Bank of America-Analysten sind weitere US-Zollerhöhungen auf chinesische Produkte trotz laufender Handelsverhandlungen wahrscheinlich. China zeigt sich zwar weiterhin dialogbereit, bereitet jedoch bereits Gegenmaßnahmen vor. Am Mittwoch kündigte US-Präsident Donald Trump einen 25-prozentigen Zoll auf importierte Autos und leichte Nutzfahrzeuge an, der bereits in der kommenden Woche in Kraft treten soll.

Die Zuspitzung des Handelskonflikts trifft die globalen Märkte in einer Phase, in der die US-Wirtschaft eigentlich starke Fundamentaldaten aufweist. Die Unternehmensgewinne in den USA erreichten im vierten Quartal des Vorjahres ein Rekordhoch von 4 Billionen US-Dollar – ein Anstieg um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Diese Entwicklung wird jedoch durch die zunehmenden Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Handelspolitik überschattet.

Die Auswirkungen der Zollpolitik sind bereits in den Wirtschaftsdaten sichtbar. Verbraucher in den USA haben im vierten Quartal 2024 vermehrt große Anschaffungen wie Fahrzeuge vorgenommen, um Preiserhöhungen durch künftige Importzölle zuvorzukommen. Dies trug zu einem leichten Anstieg des BIP-Wachstums auf 2,4 Prozent bei, eine Aufwärtskorrektur gegenüber der vorherigen Schätzung von 2,3 Prozent.

Zentralbanken reagieren auf Inflationsrisiken

In diesem angespannten Umfeld sehen sich Zentralbanken weltweit mit der Herausforderung konfrontiert, auf potenzielle inflationäre Auswirkungen der Handelspolitik zu reagieren. Die brasilianische Zentralbank hat deutlich gemacht, dass bei nicht verankerten Inflationserwartungen – wie derzeit der Fall – die Zinsen länger hoch bleiben müssen. Laut Wirtschaftsdirektor Diogo Guillen erfordert die aktuelle Situation einen längeren Zeitraum restriktiver Geldpolitik.

Brasilien hatte erst in der vergangenen Woche den Leitzins um 100 Basispunkte auf 14,25 Prozent angehoben und signalisierte für Mai eine weitere, wenn auch kleinere Erhöhung. Zentralbankchef Gabriel Galipolo betonte, dass die geldpolitischen Entscheidungen datenabhängig bleiben und betonte die Herausforderungen durch über dem Ziel liegende Inflationsraten und nicht verankerte Inflationserwartungen.

Die amerikanische Federal Reserve hat ihrerseits die Zinsen unverändert gelassen, was die bestehenden Unsicherheiten in der Wirtschaft widerspiegelt. Die Märkte beobachten besonders aufmerksam, wie die Zentralbanken auf das Spannungsfeld zwischen Handelskonflikten, hohen Unternehmensgewinnen und Inflationsrisiken reagieren werden.

Staatsverschuldung und Fiskaldefizite wachsen weltweit

Während die Zentralbanken mit der geldpolitischen Antwort auf die Handelskonflikte ringen, verschlechtern sich die fiskalischen Aussichten in vielen Ländern. Das US-Congressional Budget Office (CBO) prognostiziert eine besorgniserregende Entwicklung der US-Haushaltslage in den kommenden drei Jahrzehnten. Das Defizit wird laut CBO von 6,2 Prozent des BIP im Fiskaljahr 2025 auf 7,3 Prozent im Jahr 2055 ansteigen – deutlich über dem 30-Jahres-Durchschnitt von 3,9 Prozent.

Die US-Staatsverschuldung wird den Projektionen zufolge von aktuell 100 Prozent des BIP auf alarmierend hohe 156 Prozent im Jahr 2055 steigen. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Zinszahlungen auf 5,4 Prozent des BIP bis 2055, verglichen mit 3,2 Prozent im laufenden Fiskaljahr. Diese Zinslast würde dann sogar die Ausgaben für diskretionäre Programme wie Militär und Sozialleistungen übersteigen.

Auch China setzt verstärkt auf fiskalische Unterstützung der Wirtschaft. Die Regierung hat die Emission von Staatsanleihen im ersten Quartal 2025 auf ein Rekordniveau von 3,28 Billionen Yuan (etwa 451,56 Milliarden US-Dollar) beschleunigt. Auf Nettobasis verdreifachte sich die Anleiheemission im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 1,45 Billionen Yuan. Finanzminister Lan Foan hielt sich zudem die Tür für weitere Stimuli offen, falls die bereits angekündigten Maßnahmen nicht ausreichen sollten.

Argentinien strebt seinerseits ein 20-Milliarden-Dollar-Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) an, um seine Devisenreserven aufzubauen und den Markt zu beruhigen. Wirtschaftsminister Luis Caputo erklärte, dass das Abkommen dazu beitragen soll, die Zentralbankreserven zu stärken und die Aufhebung der Kapitalkontrollen zu ermöglichen.

Tech-Sektor und KI-Investments unter Druck

Inmitten der geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten zeigen sich auch im Technologiesektor Anzeichen für eine Neubewertung, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Der Cloud-Anbieter CoreWeave, ein bedeutender Nvidia-Kunde mit über 250.000 eingesetzten Nvidia-GPUs bis Ende 2024, musste seinen geplanten Börsengang deutlich verkleinern. Das Unternehmen reduziert die Anzahl der zum Verkauf stehenden Aktien um 23,5 Prozent und preist sie mit 40 US-Dollar pro Aktie deutlich unter der ursprünglich angepeilten Spanne von 47 bis 55 US-Dollar ein.

Der Börsengang von CoreWeave wurde als wichtiger Test für die Stärke der Erholung am US-IPO-Markt und die anhaltende Begeisterung für KI-Unternehmen angesehen. Die verhaltene Aufnahme bei Investoren könnte signalisieren, dass die Bewertungen im KI-Infrastrukturmarkt neu kalibriert werden, während sich das Wachstum bei GPU-Assets in KI-Trainingsanwendungen verlangsamt.

Zu den Bedenken der Investoren zählen die starke Abhängigkeit CoreWeaves von Microsoft, dessen sich ändernde Strategie im Bereich der KI-Rechenzentren die langfristige Nachfrage nach GPUs beeinflussen könnte. Hinzu kommt die Kapitalintensität des Geschäftsmodells, was angesichts der breiteren Marktunsicherheiten zusätzliche Fragen zur Nachhaltigkeit aufwirft.

Ausblick für die Weltwirtschaft eingetrübt

Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich durch die Zuspitzung der Handelsstreitigkeiten deutlich eingetrübt. Ökonomen schätzen die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den nächsten 12 Monaten auf etwa 40 Prozent. Das BIP-Wachstum der USA wird nach Schätzungen von Goldman Sachs im ersten Quartal 2025 auf 1,0 Prozent sinken, während die Atlanta Fed sogar eine Kontraktion um 1,8 Prozent prognostiziert.

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Rekordgewinne gegen die Auswirkungen der Zollpolitik zu verteidigen. Während die Gewinnmargen als Anteil am BIP einen Höchststand erreicht haben, was theoretisch Spielraum zur Absorption steigender Kosten bietet, ist es unwahrscheinlich, dass Unternehmen dies freiwillig tun werden. Die meisten Ökonomen erwarten, dass Unternehmen versuchen werden, höhere Kosten an die Verbraucher weiterzugeben oder an anderer Stelle Ausgaben zu kürzen, um die Auswirkungen der Zölle auszugleichen.

Die langsamere Bevölkerungsentwicklung in den USA wird laut CBO zu einem schwächeren Wirtschaftswachstum führen. Das reale Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich von 2,1 Prozent im Jahr 2025 auf 1,4 Prozent im Jahr 2055 sinken. Ohne Einwanderung würde die US-Bevölkerung ab 2033 sogar schrumpfen, was die wirtschaftliche Dynamik weiter belasten würde.

In diesem komplexen globalen Umfeld müssen Anleger und Unternehmen mit erhöhter Volatilität und Unsicherheit rechnen. Die Kombination aus Handelsspannungen, geldpolitischer Straffung und fiskalischen Herausforderungen schafft ein Umfeld, in dem wirtschaftliche Resilienz und strategische Flexibilität entscheidende Faktoren für den Erfolg sein werden.

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