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Last Call! – Der Marktbericht am Abend: Mit Allianz, Deutsche Post, E.ON, Thyssenkrupp, Teamviewer, Toyota, Tencent und Hertz

Guten Abend,

klar im Fokus stehen die Techwerte und der Nasdaq 100. Sollte es dem Index gelingen, noch in diesem Monat den alten Höchstkurs von vor der Coronakrise zu erreichen, ist das eine kleine Sensation. Und natürlich steigt damit auch die Nervosität auf ein neues Level. Schärfer, schneller und gradliniger haben wir in den vergangenen Jahrzehnten nie einen Crash und Erholung miterleben dürfen. Luftnummer, Bullenfalle, Blase…wir sind gespannt, was die Medien und die Experten von sich geben werden. Wir indes wissen nur eines: Die Märkte haben immer Recht.

Die Lage auf einen Blick:

DAX: Es fehlen derzeit einfach die Impulse, nach oben wie auch unten. Wir könnten auch sagen, stabile Seitenlage, was nicht verkehrt ist. Allerdings macht es den Markt auch empfänglich für etwaige Schlagzeilen in jede Richtung – da wird eine Eintagsfliege auch schnell mal zum (Tages-)Elefanten. Mit zwei in unterschiedliche Richtungen zerrenden Schwergewichtgen, Allianz und E.ON, war denn auch heute kein Blumentopf zu gewinnen.

Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq: Den Amerikanern wird die Rally langsam unheimlich. Das liegt daran, dass die Wall Street zweigeteilt ist. Auf der einen Seite die Gewinner aus der Krise (hauptsächlich im Nasdaq zu finden), auf der anderen Seite die Verlierer, also die Zykliker und Corona-exponierten Sektoren. Auf der einen Seite steigen die Kurse, auf der anderen Seite werden die Böden ertastet.

Dieses Spiel kann noch eine Weile andauern. Denn einige Marktteilnehmer sind zuversichtlich, dass mit einer schrittweisen Wiedereröffnung und Lockerung der Sperrmaßnahmen der Wiederherstellungsprozess bald beginnen wird. Goldman Sachs sagte in einer Mitteilung jüngst, dass sie ein Wachstum des US-BIP von 4% im Jahr 2021 und 3% im Jahr 2022 erwarten und dass die jüngste Rally den Optimismus einer wirtschaftlichen Wende widerspiegelt. Es sind solche Überlegungen, welche die Börse versucht, einzupreisen.

Heute im Programm standen:

Allianz mit Corona-Blessuren

War’s das für die Allianz? Wie erwartet muss Europas größter Versicherer durch die Corona-Krise ordentliche Einschläge hinnehmen. Die Börse reagiert erst einmal verschnupft, was nicht überrascht. Wie gestern an dieser Stelle betont, warten wir ab, ob die 150 Euro Marke hält. Wenn nicht, ziehen wir aus technischer Sicht erst einmal die Reißleine.

Aber: Klar ist auch, diese Schäden sind einmaliger Natur und sollten in den kommenden 24 Monaten auch wieder kompensiert werden. Das operative Geschäft ist perspektivisch solide und es gibt wenig Anlass anzunehmen, dass sich dies durch Corona ändert. Das betrifft auch die Vermögensverwaltung, denn mangels Alternativen werden viele Kunden auch wieder zurückkommen, wenn die Märkte einmal alles verdaut haben. Indes, es wird etwas dauern. Fängt sich der Kurs oberhalb von 150 Euro, wird zu überlegen sein, neu in Position zu gehen. Denn wie immer gilt auch: Liegen die Zahlen erst einmal auf dem Tisch, wird weitergedacht!

Deutsche Post: Logistik nicht krisenfest

Auch die Deutsche Post muss jetzt erst einmal ihre Wunden lecken. Nicht überraschend lasten auch hier Folgen der Corona-Krise sowie das Ende für den Elektrotransporter Streetscooter auf dem Gewinn. Es verbleiben 301 Mio. Euro (Vorjahr: 746), wobei der Umsatz um 0,9 % auf 15,5 Mrd. Euro zulegte. Das Herunterfahren ganzer Volkswirtschaften rund um den Globus trifft eben auch die Logistik-Branche sehr hart, da internationale Lieferketten aufgebrochen wurden und die Warenströme zwischen den Kontinenten und Staaten gestört sind.

Damit ist aber auch hier klar: Jeder Schritt in Richtung (neuer) Normalität wird sich in den kommenden Quartalen positiv bemerkbar machen. Der Blick auf die Reaktion auf dem Parkett zeigt denn auch: Eher nach oben als nach unten. Gelingt heute der Ausbruch aus der kleinen Seitwärtsbewegung, sollten 34 Euro in diesem Jahr machbar sein!

Chart Deutsche Post

Chart Deutsche Post

E.ON trumpft auf

Da geht es E.ON richtig gut. Heute denn auch mit klarem Kaufsignal oberhalb von 9,20 Euro. Der Energieversorger hat im ersten Quartal von der Übernahme des Konkurrenten Innogy profitiert, nur drücken die höheren Kosten für die Integration das Ergebnis in die Verlustzone. Corona hatte somit nur einen eingeschränkten Einfluss und E.ON sieht die Energiewirtschaft in einer guten Position und bestätigte sogar die Jahresprognose.

Das bereinigte EBIT soll 3,9 bis 4,1 Mrd. Euro und der bereinigte Konzernüberschuss 1,9 Mrd. Euro betragen. Das wäre dann ein deutlicher Gewinnanstieg im Vergleich zum Vorjahr. Für uns ein klarer Fall: Bestätigt sich der Ausbruch, geht es in Richtung 11 Euro per Dezember.

Thyssenkrupp: Kampf ums Überleben?

In die gegengesetzte Richtung geht es für Thyssenkrupp! Steht hier jetzt die Existenz auf dem Spiel?

Von dem ehemaligen Vorzeigeunternehmen der deutschen Großindustrie bleibt langsam nicht mehr viel übrig. Fehlte es schon vor Corona an einer griffigen Perspektive für die Börse, müssen nun auch noch die Kollateralschäden aus der Krise verarbeitet werden. Die Folgen der Corona-Pandemie belasteten im zweiten Quartal vor allem das Automotive- sowie das Stahlgeschäft und im ersten Halbjahr addierte sich ein Verlust i.H.v. 1,3 Mrd. Euro. Bei einem Börsenwert von 2,7 Mrd. Euro ist das schon kritisch. Ergebnis: Der Kurs macht den Anschein, als würde das Tief vom 22. März noch einmal getestet werden. Also Finger weg und erst einmal nur zuschauen.

Teamviewer: Richtung stimmt, aber zu teuer

Der Softwareanbieter Teamviewer hat dank der Corona-Krise im ersten Quartal noch mehr Geschäfte machen können als ohnehin bereits in Aussicht gestellt. Die in Rechnung gestellten Einnahmen (Billings) kletterten im Vorjahresvergleich um 75 % auf 119,7 Mio. Euro. Bisher wurde Anstieg um 60 % erwartet. Ist ja auch irgendwie logisch, denn durch die Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Home-Office-Lösungen rasant angestiegen und die Zahl der Abonnenten konnte bis Ende März auf über 514.000 gesteigert werden.

Entsprechend wurde auch die Jahresprognose angehoben. Würden wir auf diesem Niveau noch kaufen? Eher nicht. Zwar glauben wir an das Geschäftsmodell als solches, aber es bleibt abzuwarten, wie die neuen Kunden sich verhalten werden, wenn Home Office nach Corona abflacht. Daher: Beobachten, mehr aber auch nicht.

Kurz und aktuell von der Wall Street:

Ingersoll-Rand – Der Hersteller von Industrieausrüstungen verdiente im ersten Quartal 25 Cent pro Aktie, 3 Cent pro Aktie unterhalb der Schätzungen. Die Einnahmen übertrafen indes die Prognosen. Die Übernahme von Ingersoll-Rand durch Gardner Denver wurde am 29. Februar abgeschlossen, wobei Gardner Denver den Namen Ingersoll-Rand annahm. Kommt bei uns auf die Beobachtungsliste!

Chart Ingersoll-Rand

Chart Ingersoll-Rand

Novavax verlor 58 Cent pro Aktie, weniger als die 70 Cent, welche die Analysten erwartet hatten. Der Umsatz des Biotech-Unternehmens übertraf allerdings die Schätzungen. Novavax kündigte außerdem an, dass die gemeinnützige Koalition für die Vorbereitung auf Epidemien 384 Millionen Dollar für klinische Studien mit dem experimentellen Coronavirus-Impfstoff des Unternehmens bereitstellen wird. Was für eine Rakete: von 25 auf 40 Dollar an einem Tag! Nicht draufspringen, aber hier werden wir sicher bald aktiv werden wollen, wenn sich der Staub legt.

Logitech verzeichnete im letzten Quartal einen Anstieg des Betriebsergebnisses um mehr als 23% und einen Umsatzsprung von fast 14%, da der Hersteller von Computerperipheriegeräten von der Zunahme der Heimarbeit profitiert. Break bei 50 Dollar ist ein klares Kaufsignal! Welcher Schweizer Analyst hatte doch gleich Logitech zum Verkauf „empfohlen“?

Toyota Motor erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Gewinnrückgang von 80 % auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren. Die Autohersteller sehen sich aufgrund des Ausbruchs des Coronavirus weiterhin einer schwachen Nachfrage gegenüber. Nicht aufregend.

Tencent Music erzielte im letzten Quartal einen besser als erwarteten Gewinn, obwohl der Umsatz des in China ansässigen Unternehmens für soziale Unterhaltung hinter den Prognosen der Analysten blieb. Der monatliche Durchschnittsumsatz pro Abonnent ging im Quartal um 13 % zurück, obwohl die Zahl der zahlenden Benutzer um 18,5 % stieg. Endlich der Ausbruch, nachdem Activision Blizzard und andere schon vorangeprescht waren. Tencent ist ein Kauf!

Hyatt Hotels wird weltweit 1.300 Mitarbeiter entlassen, da die Covid-19-Pandemie die Nachfrage nach Reisen beeinträchtigt. Hyatt senkt auch die Gehälter für Arbeitnehmer, Vorstandsmitglieder und leitende Angestellte. Marriot gefällt uns besser.

Hertz äußerte Zweifel an seiner Fähigkeit, seine Geschäftstätigkeit fortzusetzen, da es versucht, die Kosten zu senken und einen Ausfall seiner Schulden zu vermeiden. Die Geschäftsführerin des Autovermietungsriesen Kathryn Marinello sagte, das Unternehmen habe alles getan, um die Liquidität zu erhalten. Oje, was waren das noch für Zeiten, als man bei Hertz einen Ford Shelby Mustang mieten konnte.

Richard Bransons Virgin Holdings wird bis zu 12 % seiner Weltraumerkundungseinheit Virgin Galactic verkaufen, um die finanzielle Gesundheit des Reise- und Tourismusgeschäfts der Virgin Group zu verbessern. Elon und Jeff können es derzeit besser.

Einen schönen Feierabend

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