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Last Call! – Der Marktbericht am Abend: Mit Daimler, Aixtron, Salzgitter, Tesla, Twitter, STMicroelectronics und Microsoft

Guten Abend,

schlechte Wochen und gute Wochen reichen sich wechselseitig die Hand. Und im Rahmen der Berichtssaison sind das eigentlich gute Vorrausetzungen für neue technische Signale, denn: Der Markt schwankt weiter zwischen Zuversicht und Vorsicht (climbing the wall of fear) und das gefällt mir sehr.

Von Euphorie ist noch immer nichts zu erkennen. Selbst im heißlegeliebten Wasserstoffsektor ist die Stimmung zwar erregt, aber keinesfalls aufgeregt. Nur hier im Internet werden schon teils hysterische Berichte dazu genutzt, um die Stimmung anzuheizen und die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und es ist schon lustig, wie unsere Zunft keine Gelegenheit auslässt, um aus einer Mücke einen Tyrannosaurus zu machen.

Das leidige Thema USA/China, wie es derzeit wieder auf der politischen Ebene etwas hochgekocht wird, wird uns noch sehr lange begleiten. Denn es geht im Kern weder um Hongkong oder den Wettkampf, wer als erster dem Mars betritt, sondern um einem Clash der Kulturen, der aber der Bevölkerung eigentlich völlig gleichgültig ist.

Andere Anführer würden das Ganze völlig anders handhaben, aber nun ist der eine wohl auf Lebzeiten im Amt und der andere etwas labil, also was soll da schon Konstruktives bei rumkommen? Bleibt zu hoffen, dass ein anderer Präsident vielleicht etwas bewirken kann, aber da habe ich wenig Hoffnung, denn der oberste Chinese ist kein Deut besser als der erste Amerikaner, also bleibt uns nichts anderes übrig als dies zu ertragen. Ist auch gut so, denn dann lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf die wichtigen Trends und der deren Chancen.

Also ist inmitten des Sommers und der Ferienzeit eigentlich alles in bester Ordnung und keine schlechte Zeit, um gegenüber dem ganzen Geschehen etwas auf Distanz zu gehen.

Tun Sie das!

Die Lage auf einen Blick:

DAX: Break ist Break, dagegen helfen auch keine Pillen, also warte ich geduldig ab, bis wir am alten Rekord sind. Erst dann lohnt es sich wieder, sich mit der technischen Ausgangslage des Index zu beschäftigen.

Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq: Ein neues Schlagwort macht die Runde: „double-dip recession“. Das bedeutet, dass die US-Wirtschaft nach einer anfänglichen Erholungsphase wieder abfällt in eine Rezession, bevor es 2021 endgültig wieder aufwärtsgeht. Der Gedanke dahinter: Die Unternehmen produzieren zwar wieder, aber der Verbraucher zögert. Nur: Davon ist bislang nichts zu erkennen. Sowohl das Verbrauchervertrauen als auch einige Indikatoren wie der Häusermarkt lassen das genaue Gegenteil erkennen. Ich rate dazu, sich hier erst einmal nicht den Kopf zu zerbrechen, sondern abzuwarten, ob und wie sich die steigenden Infektionszahlen tatsächlich auf den Gemütszustand der Bevölkerung auswirken.

Heute auf der Agenda:

Die Berichtssaison gewinnt an Fahrt und die ersten Namen von Gewicht melden sich zu Wort:

Trotz der Pandemie rechnet Daimler mit einem operativen Gewinn, auch wenn das Ergebnis vor Zinsen und Steuern 2020 unter dem Vorjahreswert von 4,3 Mrd. Euro liegen wird. Auch rechnen die Stuttgarter beim Mittelzufluss aus dem reinen Auto-Geschäft mit einem positiven Wert, wenn auch unter den 1,4 Milliarden Euro vom Vorjahr. Unter dem Strich also alles halb so wild, aber das ist ja eh nicht das Problem, sondern die Frage nach der Ausrichtung für die Zukunft in einer Zeit, wo Tesla höher bewertet wird als alle drei Deutschen zusammen, nicht zuletzt weil hier eine Story gegeben ist. Was also ist Daimlers Story? Ich weiß es nicht. Und deshalb: nur bedingt ein Kauf.

Chart Daimler

Chart Daimler

Die Aktien des Chipindustrieausrüsters Aixtron profitieren von einem starken Auftragseingang im zweiten Quartal. Trotz der Pandemie legten die Aufträge im Vergleich zum Vorjahresquartal um 56% auf 69,6 Millionen Euro zu. Allerdings hatte der Markt das auch schon erwartet und im Vorfeld gab es hier ein entsprechendes technisches Signal wodurch die Konsolidierung seit 2018 auch ihr Ende findet. Zudem gibt es die Hoffnung auf einen möglichen Aufstieg in den MDAX. Fazit: auch eine German-Tech-Story, die mir gefällt! Kaufen!

Auch Salzgitter meldet für das erste Halbjahr einen Verlust vor Steuern, der ebenfalls besser als erwartet ausfällt. Und auch die Prognose für das laufende Jahr wurde konkretisiert und der Strahlexperte rechnet nun mit einem Vorsteuerverlust im niedrigen bis mittleren dreistelligen Höhe ausgegangen. Also auch hier: es wird eher heller als dunkler, aber ich kaufe erst wenn der Abwärtstrend gebrochen ist.

Kurz von der Wall Street:

Eines ist sicher: Tesla hat eine neue Ära in der Autoindustrie eingeläutet. Allein seit Jahresbeginn ist der Kurs um 275 % gestiegen, im vergangenen Jahr waren es rund 500 % und die Rally hat Elon Musk zuletzt einen Anspruch auf 2,1 Milliarden Dollar via Aktienoptionen beschert. Zu recht, denn mit den neusten Zahlen hat Tesla wieder einmal gezeigt, das auch in Krisenzeiten mit den richtigen Produkten und der Story Geld zu verdienen ist. Naja, ich habe dazu ja gestern hier schon alles Relevante geschrieben, bitte nachlesen!

STMicroelectronics blickt optimistisch nach vorne. So erwartet STM in der zweiten Jahreshälfte eine Rückkehr zum Wachstum, und erhöht seine Prognose und rechnet mit einem Umsatz von 9,25 Milliarden bis 9,65 Milliarden Dollar, was ein Erreichen des Vorjahresniveau entsprecht. Auch hier nicht vergessen: Halbleiter sind Frühindikatoren! Bei Break kaufen!

Twitter meldete einen Anstieg der täglichen aktiven Nutzer um 34% im Vergleich zum Vorjahr, was einer Gesamtzahl von 186 Millionen entspricht. Der Umsatz blieb hinter den Prognosen zurück, und Twitter meldete für das zweite Quartal einen Gesamtverlust aufgrund eines einmaligen Postens im Zusammenhang mit einem nicht zahlungswirksamen Vermögenswert. Ist für mich noch immer ein Kauf, denn die Menschen müssen und wollen sich austauschen, gerade in diffizilen Zeiten!

Microsoft meldete einen Quartalsgewinn von 1,46 Dollar je Aktie, 12 Cent je Aktie über den Schätzungen. Der Umsatz lag ebenfalls über den Prognosen. Das Unternehmen sagte, der Anstieg der Zahl der Heimarbeiter habe das Cloud-Computing-Geschäft angekurbelt, aber die Pandemie habe auch die Verkäufe an kleine Unternehmen sowie die Werbeeinnahmen für die LinkedIn-Einheit verlangsamt. Und das Cloudgeschäft nicht vergessen! Das Ding läuft wie an Schnur gezogen, und solange das der Fall ist kann sowohl gehalten als auch gekauft werden.

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