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Last Call! – Der Marktbericht am Abend: Mit Deutsche Bank, Vonovia, US-Banken, Amazon, Harley-Davidson, Ford und Virgin Galactic

Guten Abend,

eine wahrlich turbulente Woche geht zu Ende. Keine acht Tage ist es her, da war die Welt noch weitgehend in Ordnung – nun ist die Konfusion teilweise größer als der eine oder andere gescholtene Privatanleger es aushalten kann. Ich will nicht wissen, wie viele Wirecard-Anhänger am heutigen Freitagabend ihren Kummer und ihre Verluste mit ordentlich flüssigem Glücksmacher runterspülen.

Es wird ein paar Tage brauchen, bis die Wunden heilen. Das war und ist immer so. Das Wirecard-Fiasko am deutschen Markt zeigt nur eines: Die Sehnsucht nach einer deutschen oder europäischen High-Tech Antwort auf die Amerikaner und Chinesen macht blind. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Wirecard kann daher als endgültiger Weckruf verstanden werden, ein Weckruf zu Gunsten einer seriösen Tech-Story ohne Tricks, Hype, mangelnder Professionalität und bitte auch ohne Größenwahn. Leider müssen wir eingestehen, dass wir an einer solchen Story zweifeln.

Und trotzdem dreht sich das Rad an der Börse unaufhaltsam weiter, denn auch hier gibt es kein Zurück, sondern immer nur der Blick nach vorne. Und was sehen wir dort?

Der Sommer wird heiß. Und mit den Temperaturen und den Stürmen wird es auch an der Börse jetzt etwas selektiver vorangehen. Noch haben wir zwar die alten Rekorde nicht überall erreicht, aber das dürfte m.E. nur eine kleine Frage der Zeit sein. Und dann fängt die Arbeit erst richtig an!

Die Lage auf einen Blick:

DAX: Aus rein technischer Sicht befinden wir uns in einer Art Lauerstellung auf hohem Niveau. Vielleicht ist es auch Schockstarre, das kann schon sein. Denn auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen: die Einsicht, auf breiter Front versagt zu haben, ist ein Stachel, der tief sitzt. Das kann dann schon mal auf die Kauflaune drücken, und m.E. ist es das, was wir hier im Moment auch erleben. Gut möglich, dass über die kommenden Wochen keine eindeutige Tendenz zu erkennen ist.

Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq: Die Wall Street bereitet sich auf einen Präsident Biden vor. Das sind die Ergebnisse einiger Telefonate mit alten Freunden, die dort noch aktiv sind. Wer meine Beiträge kennt der weiß: It’s the economy, stupid! Will heißen: Ein Präsident wird nur dann wiedergewählt, wenn auch die Wirtschaft brummt. Humpelt sie nur, wird es nicht reichen. Das weiß ein Trump ebenso wie ein Biden. Nur: die Wall Street ist den Demokraten nicht immer wohlgesonnen. Schraubt Biden z.B. an der Steuerschraube, kommt das gar nicht gut an. Vergesst Corona: über den Sommer hinweg gibt es nur dieses eine Thema: wer wird Präsident?

Heute auf der Agenda:

Deutsche Bank besteht Stresstest

Die Deutsche Bank hat mal wieder einen US-Stresstest bestanden. Na, wunderbar ist das, denn in den USA waren die Frankfurter ja schon mehrmals durchgefallen. Zwar gibt es Corona-bedingt ein paar Auflagen zur Schonung der Kapitalausstattung, aber unter dem Strich sind alle zufrieden. Was bedeutet das für den Aktienkurs? Nix. Denn damit ist nur belegt, dass die Bank krisenresistenter geworden ist, nicht aber, dass sie eine Wachstumsstory aufbaut. Und leider wird Krisensicherheit bestenfalls mit stabilen Kursen belohnt, nicht aber mit steigenden. Ich bin schon viele Jahre draußen – und bleibe es auch, bis es endlich eine Story gibt, der man glauben kann.

Vonovia kauft zu

Der deutsche Immobilienkonzern Vonovia streckt die Fühler zu unseren Nachbarn im Westen aus und hat wohl Anteile i.H.v. 2,6% am niederländischen Immobilieninvestor Vesteda Residential Fund erworben. Unklar ist, wie viel Vonovia dafür gezahlt hat, spielt wohl aber z. Zt auch keine Rolle. Vesteda verfügt über ca. 27 000 Wohneinheiten, auch in Amsterdam und Rotterdam. Die Niederlande sind den Angaben zufolge neben Österreich, Schweden und Frankreich einer der vier Zielmärkte für Wohnimmobilien von Vonovia außerhalb Deutschlands. Na, mir soll es recht sein, denn lieber wird das Geld investiert als ausgeschüttet oder in die Philippinen geschickt!

Chart Vonovia

Chart Vonovia

Kurz von der Wall Street:

JPMorgan Chase, Bank of America, Wells Fargo, Goldman Sachs und Citigroup und andere Finanzunternehmen stehen unter Druck, nachdem die Federal Reserve Dividendenbeschränkungen für diese Unternehmen auferlegt hat und Aktienrückkaufpläne nach der letzten Runde der Stresstests ausgesetzt werden. Also wenn mich eines begeistert, dann ist es das konsequente Handeln und Umsetzen der amerikanischen Aufsichtsbehörden und der Fed! Da wird nicht gelabbert, da wird gehandelt! Und zwar stets und ausschließlich im Interesse eines fairen Markts.

Amazon wird laut „The Information“ unter Berufung auf Quellen etwas mehr als 1 Milliarde Dollar für den Kauf des selbstfahrenden Startups Zoox zahlen. Unabhängig davon erwirbt Amazon die Namensrechte für die NHL-Arena in Seattle und plant, sie in Anerkennung ihres Status als erste vollständig klimaneutrale Arena, als „Climate Pledge Arena“, zu bezeichnen. Amazon ist auch Gegenstand positiver Analystenberichte bei der Deutschen Bank, die die Gewinnschätzungen erhöht und ihr Kursziel auf 3.333 Dollar. Eines Tages gehört Amazon die Welt!

Der Motorradhersteller Harley-Davidson (Börsenkürzel bezeichnenderweise HOG) zieht Stellenkürzungen in den USA durch: In Harleys Werk in York, Pennsylvania, werden 90 Stellen abgebaut, während in seinem Werk in Tomahawk, Wisconsin, 50 Stellen abgebaut werden. OK, muss sein, aber ob das reicht, den langjährigen Abwärtstrend der Aktie zu stoppen? Klar, Harley ist Kult, aber leider sterben die Babyboomer langsam weg. Hoffentlich wachsen genug Fans der Marke nach. Noch kein Kauf!

Auch ein Klassiker: Ford! Der Autohersteller stellt die erste Neugestaltung seines beliebten F-150-Pickup-Trucks seit sechs Jahren vor. Der F-150 ist das meistverkaufte Fahrzeug des Landes und ein echter Hingucker! Würde ich der Prärie leben, ich würde so ein Ding fahren, um jeden Tag meine Rindviecher und Mustangs zu zählen.

Und weil wir schon gerade so schön am träumen sind: Virgin Galactic hatte einen zweiten erfolgreichen Flug seines Raumschiffs über Süd-New Mexico, bei dem Piloten das Schiff mit höheren Geschwindigkeiten als während des Erstfluges flogen. Virgin will bekanntlich später Raumflüge für Touristen anbieten.

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