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Last Call! – Der Marktbericht am Abend: Mit Rocket Internet, Zoom, Tesla, Walmart, American Airlines und Schlumberger

Guten Abend,

immer mehr Analysten an der Wall Street ziehen ihre bisherigen Kursziele für den S&P 500 für das laufende Börsenjahr zurück – und geben keine neuen bekannt! Das sollte als ein deutliches Warnzeichen gesehen werden. Denn wenn selbst die eisernsten Bullen das Handtuch werfen, wissen wir, dass z.Zt. die Marktlage aus der Balance geworfen ist.

Von den Bären will ich gar nicht erst reden. Entweder haben sie alle das Lager gewechselt oder verkriechen sich in den Untiefen ihrer Höhlen und schmollen vor sich bin. Es ist ja auch kein leichter Job, denn welcher Bär will es schon wagen gegen den „whatever it takes“ Standpunkt der Fed anzutreten. „Never fight the Fed“ war schon ein Börsenspruch, als die meisten heutigen Marktteilnehmer noch in den Windeln steckten. Bären haben in diesen Zeiten bestenfalls hier und da mal die Chance hervorzukriechen, um zu erschrecken, aber von nachhaltiger Beeinträchtigung kann keine Rede sein, das hat die Pandemie ja gerade erst gezeigt.

Und so lange die Liquidität nicht wieder knapper wird, fließt das Geld eben dorthin, wo es am schnellsten Erträge abwirft. Das führt dann eben auch zu solch Übertreibungen wie wir sie derzeit an vielen Stellen auf dem Parkett erkennen: stimmt die Story, werden die vorliegenden Zahlen ihr angepasst und das nächste Kursziel ausgerufen. Das passiert in diesen Tagen Schlag auf Schlag und entsprechend werfen dann die Profi-Analysten das Handtuch, frei nach dem Motto „macht doch, was ihr wollt!“

Die Situation wird mit jedem weiteren Punkt, den die Indices ansteigen, immer heißer. Das stört mich persönlich allerdings nicht, denn ich habe schon ausreichend Übertreibungen in die eine als auch die andere Richtung erlebt, um nicht zu erkennen, was als nächstes passiert: die fehlende Marktbreite, eine neue Anlegergeneration, Überliquidität, Verwerfungen aufgrund einer Pandemie und heiße Stories neuer Player in den unterschiedlichen Sektoren, das alles ist eine Mischung, welche in absehbarer Zeit das Fass zum Überlaufen bringen wird. Immerhin steht der Herbst vor der Tür, und der hat bekanntlich in der Börsengeschichte schon ein paar sehr heftige Korrekturen präsentiert.

Also wohin führt uns das? Feiern wir die Party, so lange jeder für sich durchhält. Die einen verabschieden sich früher, die anderen später, und manche werden den Schuss nicht hören und am folgenden Morgen mit dem Kater ihres Lebens aufwachen. Übertragen auf die Börse: Enge Trailing-Stoppkurse überall!

Die Lage auf einen Blick:

Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq: Sowohl Dow Jones als auch der S&P 500 verzeichneten ihre besten August-Leistungen seit den 1980er Jahren. Von Sommerloch ist an der Wall Street nichts zu spüren, im Gegenteil. Die Rally läuft, wie oben erläutert, immer heißer und es wird einen äußeren Umstand benötigen, um die Lage abzukühlen. Woher der Auslöser kommt, weiß natürlich kein Mensch, aber es wird von Tag zu Tag wichtiger, wachsam zu bleiben. So oder so, gelingt auch dem DJ der Ausbruch nach oben, sind alle drei Indices erst einmal in nichtkartographiertem Gewässer unterwegs. Fehlt dann nur noch der breite Russel 2000 Index.

DAX: Dem Nager geht die Puste aus. Da reicht schon der einfache Blick auf das durchschnittliche Handelsvolumen und den Chart. Es fehlt an Kraft und Schwung und natürlich zeigt sich auch hier die überkaufte Marktlage der Wall Street.

Heute auf der Agenda:

Rocket Internet geht also von der Börse. Seinerzeit wurde die Aktie zu 42 Euro an den Markt gebracht, es erfolgte dann noch eine Kapitalerhöhung, aber mit dem Geld ist nichts passiert. Es lag herum, würde ich sagen und von einer sagenhaften Performance wird wohl auch kein Anleger reden können. Nun werden die Aktien zurückgekauft, die Anleger erhalten ihr Geld also zurück, und durften faktisch ihr Geld zu 0% oder mit hohem Verlust bei Oliver parken.

Chart Rocket Internet

Chart Rocket Internet

Hätten sie ihre Kohle mal lieber dort investiert, wo man weiß, was man mit dem vielen schönen Geld alles hätte machen können. Und wieder endet eine deutsche „Erfolgsstory“ als non-event für die Anleger. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen könnte. Na egal, Hauptsache der Name Samwer erscheint nicht mehr so oft in der Presse, denn amerikanische Geschäftsmodelle kopieren fand ich noch nie sonderlich innovativ und sexy.

Kurz von der Wall Street:

Zoom meldete einen Quartalsgewinn von 92 Cent pro Aktie und verdoppelte damit die Konsensschätzung von 45 Cent pro Aktie. Die Einnahmen lagen weit über den Prognosen der Wall Street. Zoom erhöhte auch seine jährliche Umsatzprognose um mehr als 30%. Und, zack, mal eben auch +30% im Kurs, was auch nur den aktuellen Marktumständen machbar wäre. Gute Story, keine Frage, aber ich zahle nicht jeden Preis und schau mir jetzt lieber TeamViewer an.

Chart Zoom

Chart Zoom

Walmart startet am 15. September sein Mitgliedschaftsprogramm Walmart +. Der Dienst, der mit dem beliebten Prime-Programm von Amazon konkurrieren wird, kostet 98 Dollar pro Jahr, verglichen mit 119 Dollar für Prime. Das neue Programm bietet auch ermäßigtes Benzin. Walmart + Mitglieder müssen eine Online-Bestellgröße von mindestens 35 Dollar erfüllen, um einen kostenlosen Versand zu erhalten. Gute Strategie, gute Reaktion an der Börse. Ich bin dabei und bleibe es auch, denn dieser „Online-Krieg“ hat gerade erst begonnen.

Tesla nutzt den Hype um seine Aktien und besorgt sich frisches Kapital durch die Herausgabe von 5 Millionen neuer Aktien. Da möchte ich jetzt mal gern die Gesichter bei Volkswagen und Daimler sehen. Ein kluger Schachzug und vom Timing her nicht zu toppen. Macht dem Kurs wohl auch nichts aus, was wiederum meine These unterstreicht, dass hier einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Aber ich muss ja auch nicht alles verstehen. Stoppkurs nachziehen, weiterfahren!

American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines stehen im Fokus, nachdem sie gestern auf die Ankündigung von United gefallen sind, die Gebühren für Ticketwechsel zu streichen. Delta und American folgten später am Tag mit ähnlichen Ankündigungen und Analysten sagen, dass die meisten Wettbewerber gezwungen sein werden, dem Schritt angesichts des Einbruchs der Reisenachfrage zu folgen.

Das Ölfelddienstleistungsunternehmen Schlumberger wird sein nordamerikanisches Fracking-Geschäft mit Liberty Oilfield Services zusammenführen und einen Anteil von 37% an dem neu zusammengeschlossenen Unternehmen halten. Der Deal findet inmitten eines deutlichen Rückgangs der Ölfelddienstleistungen inmitten der Pandemie und des sinkenden Energieverbrauchs statt. Tja, Öl ist out und Wachstum wird woanders erzielt. Seit 2014 fällt der Kurs des ehemaligen Börsenstars. Wer noch welche hat, sollte verkaufen.

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