Mercedes-Benz Aktie: Produktion in Bremen gestoppt
Arbeitsniederlegung in Bremen legt Produktion lahm. Grund sind verschobene Boni und geplante Arbeitszeitverlängerung.

- Spontaner Ausstand von 500 Beschäftigten
- Sonderzahlung auf 2027 verschoben
- 35-Stunden-Woche steht zur Debatte
- Aktie nahe 52-Wochen-Tief
Eigentlich wollte Mercedes-Benz am Montag 100 Jahre Markengeschichte feiern. Stattdessen verließen in Bremen hunderte Mitarbeiter spontan ihre Arbeitsplätze. Ein harter Sparkurs und drastische Arbeitszeitpläne treiben einen Keil zwischen Management und Belegschaft.
Unruhe in der Produktion
Nach der Mittagspause legten rund 500 Beschäftigte im Bremer Werk die Arbeit nieder. Die Folge: Die Produktion in Halle 9 stand vorübergehend still. Der Auslöser für den Protest wiegt schwer für die Mitarbeiter. Das Management verschiebt eine bereits zugesagte Sonderzahlung auf das Jahr 2027.
Parallel dazu plant der Aufsichtsrat einen tiefgreifenden Einschnitt. Die 35-Stunden-Woche steht auf dem Prüfstand. Medienberichten zufolge droht eine Erhöhung auf 40 Stunden. Einen finanziellen Ausgleich für die Mehrarbeit soll es nicht geben.
Margen unter Druck
Der harte Ton in den Werken spiegelt die finanzielle Realität wider. Im ersten Quartal 2026 schrumpfte das operative Ergebnis auf 1,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Minus von 17 Prozent.
Zuvor hatte sich der Jahresgewinn 2025 bereits halbiert. Besonders der wichtigste Absatzmarkt China enttäuscht massiv. Im Mai brachen die Verkaufszahlen dort um 35 Prozent ein.
Die Luxusstrategie von CEO Ola Källenius bringt bisher nicht die erhofften Ergebnisse. Chinesische Konkurrenten setzen den Stuttgarter Autobauer bei Elektrofahrzeugen stark unter Druck. Auch internationale Standorte leiden. Das Werk im südafrikanischen East London meldet eine Auslastung von nur noch 70.000 Fahrzeugen jährlich.
Aktie am Jahrestief
An der Börse reagieren Investoren nervös. Die Aktie schloss am Montag bei 43,57 Euro. Damit notiert das Papier nur knapp über dem gestern erreichten 52-Wochen-Tief von 42,64 Euro.
Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust auf über 29 Prozent. Der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt mittlerweile fast 21 Prozent.
Ein RSI-Wert von 31,3 signalisiert eine technisch überverkaufte Situation. Das Analysehaus Jefferies sieht hier eine Einstiegschance. Die Experten stufen die Aktie auf „Buy“ mit einem Kursziel von 52 Euro hoch. Sie warnen jedoch explizit vor anhaltenden Handelskonflikten und US-Zöllen.
Ende Juli legt Mercedes-Benz die Zahlen für das zweite Quartal vor. Bis dahin dominieren die internen Konflikte um Arbeitszeiten und Standortsicherung die Agenda. Das Marktumfeld bleibt branchenweit extrem anspruchsvoll. Jüngste Gewinnwarnungen bei BMW und drastische Sparprogramme bei Volkswagen zeigen klar: Die europäische Autoindustrie steckt tief in der Krise.
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