Trumps Zolloffensive erschüttert globale Märkte und Handelsbeziehungen

Die neuen US-Importzölle belasten Handelsbeziehungen weltweit, schwächen den Dollar, bedrohen Schwellenmärkte und könnten weitreichende Gegenmaßnahmen auslösen.

Die Kernpunkte:
  • Höchste Zollbelastungen seit einem Jahrhundert
  • Schwellenmärkte besonders stark betroffen
  • Vertrauenskrise beim US-Dollar
  • Chinesische Vergeltung erwartet

Die drastischen Zollmaßnahmen von US-Präsident Donald Trump haben in der vergangenen Woche eine Schockwelle durch die internationalen Finanzmärkte gesandt. Die überraschend weitreichenden Tarife, die im April 2025 nun ihre volle Wirkung entfalten, treffen Verbündete und Gegner gleichermaßen und könnten einen fundamentalen Wendepunkt für die Weltwirtschaft markieren.

Beispiellose Zollhöhen belasten globale Handelsstrukturen

Mit einem Grundzoll von 10 Prozent auf alle Importe und deutlich höheren Aufschlägen für spezifische Handelspartner hat Trump das Zollniveau auf den höchsten Stand seit einem Jahrhundert gebracht. Die EU muss mit 20 Prozent, Japan mit 24 Prozent rechnen, während chinesische Waren nun mit kombinierten Zöllen von etwa 65 Prozent belastet werden – ein Niveau, das Analysten der Citigroup als „nahezu prohibitiv“ für den US-chinesischen Handel bezeichnen.

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Die Auswirkungen auf die Schwellenmärkte sind besonders gravierend. „Wir sind unmittelbar besorgt über die potenziellen Folgen der massiven Zölle für eine Reihe von Schwellenländern – ein Ansatz, der die Entwicklungsperspektiven von Ländern, die bereits mit verschlechterten Handelsbedingungen konfrontiert sind, weiter zu schädigen droht“, warnt John Denton, Generalsekretär der Internationalen Handelskammer.

Asien wurde bei der Zollverteilung besonders hart getroffen: Sechs der neun südostasiatischen Länder auf Trumps Liste müssen Zölle zwischen 32% und 49% tragen. Besonders dramatisch: Kambodscha, das mehr als 40% seiner Exporte in die USA liefert, sieht sich mit einem Zoll von 49% konfrontiert. Die Börse in Vietnam stürzte nach Bekanntgabe der Maßnahmen um fast 7% ab, der stärkste Tagesrückgang seit mindestens vier Jahren.

Dollarschwäche und neue Währungsrisiken

Der US-Dollar geriet durch die Ankündigung stark unter Druck. Der Dollarindex, der den Wert der US-Währung gegenüber einem Korb wichtiger Währungen misst, stürzte am Donnerstag um 1,9% ab – der schlechteste Tag seit November 2022. Gegenüber dem japanischen Yen erreichte der Greenback ein Sechs-Monats-Tief.

„‚Unsicherheit‘ ist das Wort des Jahres 2025, und obwohl wir jetzt die Zollsätze und den Zeitplan kennen, haben sich die Fragen, die an den Markt gestellt werden, nur vermehrt“, erklärte Chris Weston, Forschungsleiter bei Pepperstone. Der Vertrauensverlust in den Dollar sei offensichtlich.

Die Deutsche Bank warnte sogar vor einer möglichen Vertrauenskrise in die US-Währung. Größere Verschiebungen bei Kapitalflüssen könnten die Währungsfundamentaldaten überlagern und zu ungeordneten Währungsbewegungen führen.

Chinesische Gegenmaßnahmen erwartet

Peking dürfte nicht tatenlos zusehen. Analysten der Citibank erwarten „substanziellere Maßnahmen“ als Reaktion auf die US-Zölle. Zu den möglichen Gegenmaßnahmen zählen selektive oder breit angelegte Zölle auf US-Waren, Exportkontrollen für kritische Mineralien, die Aufnahme amerikanischer Unternehmen auf Sanktionslisten oder verstärkter regulatorischer Druck auf US-Konzerne, die in China tätig sind.

Die wirtschaftlichen Folgen könnten gravierend sein: Allein die Zollerhöhung auf 54% – ohne Berücksichtigung etwaiger Ausgleichsmaßnahmen – könnte Chinas BIP-Wachstum laut Citibank-Schätzungen um 2,4 Prozentpunkte und die Exporte um 15,4 Prozentpunkte reduzieren. Die Goldman Sachs rechnet mit einem BIP-Rückgang von einem Prozentpunkt in China, was weitere Auswirkungen auf andere Schwellenländer haben könnte.

Tesla im Kreuzfeuer politischer Spannungen

US-Unternehmen mit starkem China-Geschäft stehen unter besonderem Druck. Der Elektroautohersteller Tesla verzeichnete im ersten Quartal einen Absatzrückgang von 13% – den schwächsten Wert seit fast drei Jahren. Neben dem harten Wettbewerb in China trägt auch die politische Rolle von CEO Elon Musk als Berater von Präsident Trump dazu bei, dass die Marke an Glanz verliert.

Seit Mitte Dezember ist die Tesla-Aktie um 45% eingebrochen. Analysten der Morningstar schätzen, dass allein die neuen Zölle auf Batteriekomponenten die Fahrzeugkosten des Unternehmens um mindestens 5% bis 10% erhöhen könnten.

Gene Munster, Managing Partner bei Deepwater Asset Management, erwartet für 2025 einen weiteren Verkaufsrückgang von 9% gegenüber den 1,79 Millionen Fahrzeugen, die Tesla im Vorjahr ausgeliefert hat. „Dies ist unser erster Blick auf die Auswirkungen der jüngsten Markenschädigung – und sie scheint der Haupttreiber für den Lieferrückgang in diesem Quartal zu sein“, sagte Munster. „Diese Wachstumsraten werden sich in diesem Quartal wahrscheinlich weiter verschlechtern.“

Bildungswesen im Visier

Neben der Handelspolitik setzt die Trump-Administration auch innenpolitisch klare Zeichen. Mehrere Elite-Universitäten wie Brown, Princeton und Columbia sehen sich mit dem Einfrieren von Bundesgeldern konfrontiert. Bei Brown University geht es um 510 Millionen Dollar, bei Princeton um mehrere Dutzend Forschungszuschüsse und bei Columbia wurden bereits 400 Millionen Dollar an Bundesmitteln gestrichen.

Auch Think Tanks stehen unter Druck: Das Wilson Center, eine überparteiliche außenpolitische Denkfabrik in Washington, wurde weitgehend stillgelegt, wobei etwa 130 Mitarbeiter beurlaubt wurden, kurz nachdem Elon Musks Effizienzteam für Regierungsarbeit (DOGE) begonnen hatte, die Institution zu untersuchen.

Zudem hat das US-Bildungsministerium öffentliche Schulen gewarnt, dass ihnen Bundesgelder entzogen werden könnten und rechtliche Schritte drohen, wenn sie Diversity-, Equity- und Inclusion-Initiativen (DEI) fortsetzen, die die Trump-Regierung zu demontieren versucht.

Globale wirtschaftliche Folgen

Für Japan, das mit 24% Importzöllen konfrontiert ist, könnte dies den wirtschaftlichen Aufschwung zusätzlich belasten. Die japanischen Haushaltsausgaben gingen im Februar erstmals seit drei Monaten zurück, was die Besorgnis der politischen Entscheidungsträger über die Auswirkungen der US-Zölle verschärft.

Fred Neumann, Chefökonom für Asien bei HSBC, erwartet, dass Zentralbanken in China, Taiwan, Malaysia und anderen asiatischen Ländern mit Zinssenkungen reagieren werden: „Dies wird wahrscheinlich einen erheblichen Wachstumsschock für die Region, einschließlich Südostasien, bedeuten. Das würde bedeuten, dass die Zentralbanken wahrscheinlich Wachstum gegenüber Inflationsbedenken priorisieren werden.“

Internationale Investoren bewerten nun grundlegend neu, wie sie in Schwellenländer investieren wollen. „Wenn die Zölle so bleiben, müssen wir definitiv über das strukturelle, exportorientierte Wachstumsmodell für Schwellenländer nachdenken“, sagte Gary Tan, Portfoliomanager bei Allspring Global Investments. „Wenn dieses Modell nicht mehr funktioniert, müssen wir grundsätzlich überdenken, wie man in Schwellenländern für Wachstum investiert.“

Die internationale Handelskammer vergleicht die potenziellen Auswirkungen mit der verheerenden Energiekrise der 1970er Jahre, die die Weltwirtschaft erschütterte und eine Vielzahl von Schwellenländeranlagen in Aufruhr versetzte. „Wir haben diese großen gravitativen Verschiebungen seit 80 Jahren nicht gesehen“, bestätigt Yvette Babb, Portfoliomanagerin bei William Blair.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Welt am Beginn eines fundamentalen Umbruchs im globalen Handelssystem steht – mit weitreichenden Folgen für die internationale Wirtschaftsordnung, wie wir sie kennen.

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