Trumps Zollpolitik erschüttert Dollarkurs und Weltmärkte

Die neuen Importzölle der USA gefährden die globale Wirtschaftsstabilität und setzen den Dollar unter Druck. Experten befürchten Inflationsanstieg und weltweiten Konjunkturrückgang.

Die Kernpunkte:
  • Unerwarteter Wertverlust der US-Währung
  • Arbeitsmarktdaten im Schatten der Handelskonflikte
  • Wachstumsprognosen weltweit nach unten korrigiert
  • Reservewährungsstatus des Dollars in Diskussion

Die jüngsten Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump haben weltweit für massive Verwerfungen an den Finanzmärkten gesorgt. Der Dollar, traditionell ein sicherer Hafen in Krisenzeiten, geriet ungewöhnlicherweise unter Druck – ein alarmierendes Signal für das schwindende Vertrauen in die US-Währung. Die am 3. April 2025 angekündigten umfassenden Importzölle, darunter ein Mindestzoll von 10% auf fast alle in die USA eingeführten Waren, haben Befürchtungen über eine globale Rezession ausgelöst und zugleich die Rolle des Dollars als Weltleitwährung in Frage gestellt.

Dollarschwäche als Symptom einer neuen Weltordnung

Entgegen der üblichen Marktreaktionen fiel der Dollar nach Trumps Zollankündigungen um etwa 1,7% – der stärkste Tagesrückgang seit November 2022. Diese ungewöhnliche Entwicklung deutet auf eine grundlegende Veränderung im globalen Währungsgefüge hin. „Was wir heute sehen, ist ein weiterer Hinweis darauf, dass sich die Struktur und die Natur der Beziehung des US-Dollars zu den globalen Märkten verändert hat“, erklärt Thierry Wizman, globaler Devisen- und Zinsstratege bei Macquarie in New York.

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Investoren, die jahrzehntelang bei Marktturbulenzen in den Dollar flüchteten, ziehen nun ihr Kapital ab. Diese Entwicklung könnte für die US-Wirtschaft weitreichende Folgen haben, darunter höhere Zinsen für längere Zeit, da der Preisdruck im Inland es der Federal Reserve erschweren könnte, ihre Zinssätze zu senken. Gleichzeitig stellt die rasche Aufwertung anderer Währungen gegenüber dem Dollar für andere Zentralbanken ein Problem dar, da sie Exporte verteuert und die Wachstumsbelebung erschwert.

Arbeitsmarkt im Spannungsfeld von Tarif-Turbulenzen

Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht vom 4. April 2025 zeigte mit 228.000 neuen Stellen deutlich mehr Beschäftigungswachstum als die erwarteten 135.000 Jobs. Diese Stärke könnte jedoch von kurzer Dauer sein. Ökonomen warnen, dass die Auswirkungen der gegenseitigen Zölle bereits im April-Arbeitsmarktbericht sichtbar werden könnten, wobei besonders im Einzelhandel mit Stellenabbau zu rechnen ist, wenn Verbraucher angesichts steigender Preise ihre Ausgaben einschränken.

„Der Markt schenkt dem Arbeitsmarktbericht nicht viel Aufmerksamkeit. Er befindet sich im Panikmodus und verkauft zu jedem Preis“, erklärt Tim Ghriskey, Senior Portfolio Stratege bei Ingalls & Snyder. „Es gibt Sorgen über eine Rezession, sehr gerechtfertigt, dass das Zollproblem eskaliert und die Weltwirtschaft zum Erliegen bringt.“

Die Situation in Kanada zeigt bereits erste Anzeichen einer Abkühlung. Im März 2025 verzeichnete das Land einen Rückgang der Beschäftigung um 33.000 Stellen, entgegen der Erwartung eines Zuwachses von 10.000 Jobs. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,7%, was die erste Erhöhung seit November 2024 darstellt.

Globale Wirtschaftsausblicke unter Revision

Die Ratingagentur S&P Global hat als Reaktion auf die neuen Zölle angekündigt, sämtliche makroökonomischen Prognosen zu überprüfen. Dies könnte potenziell zu einer neuen Welle von Kreditrating-Herabstufungen führen. Die erste Einschätzung deutet auf einen Anstieg der US-Inflation auf nahezu 4% bis zum Jahresende hin, verglichen mit der zuvor prognostizierten 3%.

Die Auswirkungen auf das US-BIP werden maßgeblich von den Vergeltungsmaßnahmen der Handelspartner und der Verwendung der Zolleinnahmen abhängen, insbesondere wenn diese für Steuersenkungen eingesetzt werden. Selbst wenn Steuersenkungen umgesetzt werden und die Vergeltungsmaßnahmen relativ moderat ausfallen, wird das BIP-Wachstum voraussichtlich um drei bis vier Zehntel Prozentpunkte niedriger ausfallen als in den jüngsten Prognosen von S&P Global.

Auch die Wachstumsprognosen für den Rest der Welt werden voraussichtlich nach unten korrigiert. Größere Volkswirtschaften wie die Eurozone und China könnten kleinere Anpassungen von etwa einem Viertelprozentpunkt pro Jahr sehen, während offenere Volkswirtschaften mit starkem US-Handel stärkere Revisionen erfahren dürften.

Handelskonflikte mit engsten Verbündeten

Die Zollpolitik trifft auch enge Verbündete der USA. Israel, dessen größter einzelner Handelspartner die Vereinigten Staaten sind, sieht sich mit einem 17%-Zoll auf nicht näher spezifizierte Warenexporte konfrontiert. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat bereits mit Trump über die neue Zollpolitik gesprochen, wobei ein hochrangiger israelischer Beamter optimistisch meinte: „Das meiste davon kann gelöst werden.“ Ein Beamter des israelischen Finanzministeriums erklärte, dass Trumps jüngste Zollankündigung die israelischen Exporte von Maschinen und medizinischen Geräten beeinträchtigen könnte.

Auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte musste sich mit der Frage auseinandersetzen, ob die neuen US-Zölle gegen den NATO-Vertrag verstoßen. Artikel 2 des Vertrags besagt, dass NATO-Verbündete „versuchen werden, Konflikte in ihrer internationalen Wirtschaftspolitik zu beseitigen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen ihnen zu fördern“. Rutte stellte jedoch klar, dass die Zölle nicht gegen den NATO-Vertrag verstoßen.

Sri Lanka, das sich von einer schweren Finanzkrise erholt, zeigt sich ebenfalls besorgt über die Auswirkungen der Zölle. Die USA haben einen Zoll von 44% verhängt, der etwa 3 Milliarden Dollar an Exporten betreffen wird. „Angesichts unserer Exportabhängigkeit und der potenziellen Verlangsamung der globalen Nachfrage sind wir besorgt, dass unser Erholungspfad eingeschränkt werden könnte“, erklärte das Finanzministerium des Inselstaates, der erst kürzlich mit Unterstützung eines 2,9-Milliarden-Dollar-Hilfspaketes des Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Wachstum von 5% verzeichnen konnte.

Zukunftsaussichten: Dollarstatus in Gefahr?

Trotz der wachsenden Bedenken bleibt der Dollar fest als weltweit führende Reservewährung positioniert. Trump selbst hat erklärt, dass er diesen Status erhalten möchte, während er gleichzeitig davor warnte, Versuche zu unternehmen, ihn zu untergraben. Gleichzeitig deutete er an, dass ein schwächerer Dollar gut für die Exporte wäre.

Die Währung hat auch einen inhärenten Wettbewerbsvorteil: Sie wird von der größten Volkswirtschaft der Welt, den tiefsten Kapitalmärkten und einer etablierten Rechtsstaatlichkeit gestützt. Eine echte Alternative gibt es kurzfristig nicht.

Brad Setser vom Council on Foreign Relations meint, dass „obwohl die Attraktivität der USA als Investitionsstandort verringert wurde, der Kurs des Dollars weitgehend davon bestimmt wird, wie die US-Wirtschaft auf den Zollschock von Trump reagiert.“ James Malcolm, Leiter der FX-Strategie bei UBS, sieht jedoch Ähnlichkeiten zwischen der aktuellen Situation und den Mitte der 1980er Jahre vor dem Plaza-Abkommen, als die wirtschaftlich leistungsstarken USA ihre wichtigsten Partner unter Druck setzten, sie bei der Schwächung des Dollars zu unterstützen.

„Während wir eine andere Reihe von Ereignissen bekommen werden, sollte die Wirkung – der Dollar geht noch viel mehr nach unten – dieselbe sein“, prognostiziert Malcolm. Die Idee, dass die Trump-Administration ein „Mar-a-Lago-Abkommen“ – einen großen Deal zur Schwächung des überbewertiteren Dollars – durchsetzen könnte, gewinnt an Zugkraft, auch wenn sie unwahrscheinlich ist.

Zentralbanken im Dilemma

Für die Federal Reserve stellt der starke Arbeitsmarktbericht in Kombination mit den inflationären Auswirkungen der Zölle ein Dilemma dar. Während die Finanzmärkte erwarten, dass die Fed spätestens im Juni ihre Zinssenkungen wieder aufnimmt, nachdem sie ihren geldpolitischen Lockerungszyklus im Januar pausiert hatte, könnten die Zölle die Notenbank zu einer vorsichtigeren Haltung zwingen.

„Die Fed wird in den kommenden Monaten wahrscheinlich einige Anreize bieten. Aber dies ist ein von der Regierung verursachter Schock, nicht ein von der Zentralbank verursachter Schock – die Fed kann nur den Schmerz an den Rändern lindern“, erklärt Seema Shah, Chief Global Strategist bei Principal Asset Management.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Weltwirtschaft auf diese fundamentale Neuordnung der Handelspolitik reagiert und ob der Dollar seine dominante Stellung in der globalen Finanzarchitektur behaupten kann oder ob wir am Anfang einer neuen Ära stehen, in der die bisherigen Gewissheiten der internationalen Finanzwelt grundlegend in Frage gestellt werden.

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