Trumps Zollpolitik erschüttert globale Märkte und Institutionen

Die neue US-Wirtschaftsstrategie mit Zöllen, Behördenabbau und Rückzug aus internationalen Gremien verunsichert Weltmärkte und lässt den Goldpreis steigen.

Die Kernpunkte:
  • Neue Autozölle belasten internationale Handelsbeziehungen
  • USA stoppt Zahlungen an die WTO
  • Massive Kürzungen in US-Bundesbehörden
  • Goldpreis erreicht neuen Höchststand

In einer Zeit zunehmender wirtschaftlicher Spannungen setzte US-Präsident Donald Trump seine „America First“-Agenda mit neuen Zollmaßnahmen fort. Die jüngst angekündigten 25-prozentigen Autozölle, die bereits in der kommenden Woche in Kraft treten sollen, haben weltweit für Unruhe gesorgt. „Die Entscheidung von US-Präsident Trump ist falsch“, erklärte der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz in einer Stellungnahme. „Die USA haben einen Weg eingeschlagen, an dessen Ende es nur Verlierer gibt, da Zölle und Isolation den Wohlstand für alle schädigen.“

Rückzug aus internationalen Institutionen

Parallel zur Verschärfung der Zollpolitik zieht sich die Trump-Administration auch zunehmend aus internationalen Organisationen zurück. Wie Reuters berichtet, hat die USA ihre finanziellen Beiträge zur Welthandelsorganisation (WTO) für die Jahre 2024 und 2025 ausgesetzt. Dies ist Teil einer umfassenden Überprüfung der Bundesausgaben, insbesondere für internationale Institutionen.

Die USA waren mit einem Anteil von etwa 11% am Jahresbudget von 205 Millionen Schweizer Franken (etwa 232 Millionen Dollar) der größte Beitragszahler der WTO. Bereits Ende 2024 hatten die USA Zahlungsrückstände in Höhe von 22,7 Millionen Schweizer Franken (ca. 25,7 Millionen Dollar) angehäuft. Laut WTO-Regeln fallen Länder, die länger als ein Jahr ihre Beiträge nicht zahlen, unter „administrative Maßnahmen“, die schrittweise strenger werden.

Diese Entwicklung ist besonders brisant, da die Trump-Administration bereits 2019 während seiner ersten Amtszeit die WTO geschwächt hatte, indem sie Neuernennungen von Richtern zum obersten Berufungsgericht blockierte. Das Streitschlichtungssystem der Organisation wurde dadurch erheblich eingeschränkt.

Massenentlassungen in US-Behörden

Im Inland verfolgt die Trump-Regierung ein umfassendes Programm zum Personalabbau in Bundesbehörden. Präsident Trump und der Milliardär Elon Musk führen eine weitreichende Kampagne zur Verkleinerung der 2,3 Millionen starken zivilen US-Regierungsbelegschaft, mit dem Ziel, mehr als 100.000 Stellen zu streichen oder durch Abfindungen abzubauen.

Das US-Gesundheitsministerium kündigte am 27. März 2025 an, etwa 10.000 Vollzeitstellen zu streichen und die Hälfte seiner Regionalbüros zu schließen. Zusammen mit etwa 10.000 kürzlich erfolgten freiwilligen Abgängen wird dies die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Ministerium von 82.000 auf 62.000 reduzieren.

Auch andere Behörden sind stark betroffen: Die Steuerbehörde IRS plant, 20% bis 25% ihrer Belegschaft bis zum 15. Mai zu entlassen. Die Sozialversicherungsbehörde will 7.000 Mitarbeiter abbauen, was mehr als 12% ihrer Belegschaft entspricht. Bei der Umweltschutzbehörde EPA wurden bereits 388 Mitarbeiter in der Probezeit entlassen.

Wirtschaftliche Aussichten und Goldpreis

Trotz dieser einschneidenden Maßnahmen sieht der Internationale Währungsfonds (IWF) keine unmittelbare Rezessionsgefahr für die USA. „Eine Rezession ist nicht Teil unserer Basisprognose für die USA“, erklärte IWF-Sprecherin Julie Kozack auf einer Pressekonferenz. Der IWF bewertet derzeit die Auswirkungen der Zollpläne von Präsident Trump, einschließlich der neuen 25-prozentigen Autozölle.

Kozack betonte jedoch, dass die Zölle auf Waren aus Kanada und Mexiko, falls sie aufrechterhalten werden, „erhebliche negative Auswirkungen“ auf die Wirtschaftsaussichten dieser Länder haben würden. Die nächsten Weltwirtschaftsausblick-Prognosen des IWF werden Ende April veröffentlicht und werden die Bewertungen dieser verschiedenen Zollankündigungen auf andere Regionen enthalten.

In diesem Umfeld wirtschaftlicher Unsicherheit erreichte Gold am Donnerstag ein neues Allzeithoch. Der Goldpreis stieg auf 3.057,78 Dollar pro Unze und verzeichnete damit einen Zuwachs von über 15% in diesem Jahr. Gold gilt traditionell als „sicherer Hafen“ in Zeiten der Unsicherheit. Trumps Handelsdrohungen und die Verhängung zusätzlicher Zölle auf chinesische Waren haben Befürchtungen eines globalen Handelskriegs geschürt, was zu Turbulenzen an den Devisenmärkten und Ängsten vor einem Anstieg der US-Inflation führte.

Hypothekenmarkt und Beschäftigung

Währenddessen zeigt der US-Hypothekenmarkt Anzeichen einer Belebung. Die Bank of America verzeichnete im ersten Quartal 2025 einen Anstieg der Hypothekenanträge um 80% im Vergleich zum Jahresbeginn, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte. „Wir sehen eine stetige Zunahme der Hauskaufaktivitäten, die über das hinausgeht, was wir normalerweise aus saisonaler Perspektive sehen würden“, erklärte Matt Vernon, Leiter der Verbraucherkredite bei der zweitgrößten US-Bank.

Der Rückgang der Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen im vergangenen Herbst, die als Benchmark für Hypothekenzinsen dienen, hat mehr Käufer auf den Markt zurückgebracht. Die Rendite fiel im September auf etwa 3,6%, den niedrigsten Stand seit Juni 2023, was den Zinssatz für 30-jährige Hypotheken Anfang Oktober auf 6,1% drückte.

Auf dem kanadischen Arbeitsmarkt zeigt sich ebenfalls eine positive Entwicklung. Laut Statistics Canada stieg die Lohnbeschäftigung im Januar 2025 um 26.800 (+0,1%), nach einem Wachstum von 66.400 (+0,4%) im Dezember 2024. Im Jahresvergleich lag die Lohnbeschäftigung im Januar 2025 um 198.900 (+1,1%) höher. Die durchschnittlichen Wochenverdienste stiegen im Januar im Jahresvergleich um 5,5% auf 1.294 Dollar, was die Wachstumsrate von 5,9% im Dezember 2024 fortsetzt.

Ausblick und Implikationen

Die Kombination aus protektionistischer Handelspolitik, institutionellem Rückzug und internem Behördenumbau charakterisiert die wirtschaftspolitische Ausrichtung der zweiten Trump-Administration. Während der IWF keine unmittelbare Rezessionsgefahr für die USA sieht, könnten die langfristigen Auswirkungen dieser Politik erheblich sein, insbesondere für Handelspartner wie Kanada, Mexiko und die Europäische Union.

Die Reaktion der Märkte – insbesondere der Anstieg des Goldpreises – zeigt die wachsende Unsicherheit unter Investoren. Gleichzeitig deuten die Entwicklungen im Hypothekenmarkt auf eine gewisse Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft hin, trotz der politischen Turbulenzen.

Die nächsten Monate werden entscheidend sein, um zu beurteilen, wie sich diese Politik auf die globale Wirtschaft auswirkt und ob der IWF seine optimistische Sichtweise beibehalten kann. Für internationale Organisationen wie die WTO könnte die Aussetzung der US-Beiträge existenzielle Fragen aufwerfen, während im Inland der massive Personalabbau in Bundesbehörden die Funktionsweise der US-Regierung grundlegend verändern könnte.