Trumps Zollpolitik gefährdet Weltwirtschaft – Fed erwägt stärkere Zinssenkungen

Die aktuellen US-Handelsbarrieren verursachen Börseneinbrüche, internationale Vergeltungsmaßnahmen und erhöhte Rezessionsrisiken. Die Federal Reserve erwägt verstärkte Zinssenkungen.

Die Kernpunkte:
  • Weltweite Marktturbulenzen nach Zollankündigung
  • Inflationsdruck und Stagflationssorgen nehmen zu
  • Notenbank plant möglicherweise fünf Zinssenkungen
  • Lieferketten und Verbraucherpreise stark betroffen

Die von US-Präsident Donald Trump Anfang April 2025 angekündigten umfassenden Zölle stellen eine ernsthafte Bedrohung für die globale Wirtschaft dar und könnten weitreichende Folgen für Finanzmärkte, Geldpolitik und internationale Handelsbeziehungen haben. Mit einem Basiswert von 10% auf alle Importe und gezielten höheren Abgaben auf Produkte aus bestimmten Ländern – darunter 54% auf chinesische Waren und 20% auf EU-Importe – markieren diese Maßnahmen die stärksten Handelsbarrieren seit über einem Jahrhundert.

Märkte unter Schock und globale Reaktionen

Die Ankündigung löste an den internationalen Finanzmärkten einen regelrechten Ausverkauf aus. Der Dow Jones fiel um fast 4%, der S&P 500 verlor nahezu 5% und der technologielastige Nasdaq brach um fast 6% ein – der stärkste Rückgang seit der Corona-Pandemie im März 2020. Besonders betroffen waren Unternehmen mit signifikanter Auslandsproduktion: Nike-Aktien stürzten um 14% ab, während Apple einen Wertverlust von 9% verzeichnete.

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Handelspartner weltweit reagierten mit scharfer Kritik und Gegenmaßnahmen. China kündigte Vergeltungsmaßnahmen an, ebenso die Europäische Union. Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte gar eine Aussetzung europäischer Investitionen in den USA. Kanadas Premierminister Mark Carney erklärte, die USA hätten ihre historische Rolle als Verfechter internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit aufgegeben. „Die globale Wirtschaft ist heute grundlegend anders als gestern“, sagte er bei der Ankündigung begrenzter Gegenmaßnahmen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnte: „Die Folgen werden verheerend sein für Millionen Menschen weltweit.“ Besonders besorgniserregend ist die Situation für ärmere Länder wie Madagaskar, das mit einem Zoll von 47% auf Vanilleexporte konfrontiert wird.

Wirtschaftliche Auswirkungen und Inflationsrisiken

Nach Berechnungen von JPMorgan entsprechen Trumps kumulierte Zollerhöhungen einer Steuererhöhung von etwa 22% – der größten in den USA seit 1968. Die Bank hat ihre Prognose für das Risiko einer globalen Rezession von 40% auf 60% angehoben und warnt, dass die Auswirkungen der Zölle „durch Vergeltungsmaßnahmen, Störungen der Lieferkette und einen Stimmungsschock verstärkt werden könnten.“

Laut Fitch Ratings sehen US-Importe nun einem durchschnittlichen Zollsatz von 22,5% entgegen – ein dramatischer Anstieg gegenüber 2,5% im Vorjahr. Ökonomen befürchten, dass diese Maßnahmen die Inflation neu entfachen, das Rezessionsrisiko in den USA erhöhen und die Kosten für eine durchschnittliche US-Familie um Tausende Dollar steigern könnten. Ironischerweise könnten die Regionen, die Trump in der letzten Wahl unterstützt haben, laut Federal Reserve am stärksten betroffen sein.

Goldman Sachs bezeichnete die Situation als „eine Art Wachstumsschock“ und warnte: „Das wird ein Schlag für US-Verbraucher sein.“ Lindsay Rosner, Leiterin für Multi-Asset-Anleihen bei Goldman Sachs Asset Management, warnte vor dem gefürchteten wirtschaftlichen Szenario der Stagflation – einer Kombination aus steigender Inflation und niedrigem Wachstum – wie es die USA in den 1970er Jahren erlebt hatten.

Fed-Reaktion und geldpolitische Implikationen

Die US-Notenbank Federal Reserve steht nun vor der schwierigen Aufgabe, ihre Geldpolitik an die neue wirtschaftliche Realität anzupassen. Citigroup prognostiziert, dass die Fed in diesem Jahr fünf Zinssenkungen um insgesamt 125 Basispunkte vornehmen wird, um die Wirtschaft angesichts des Zollsturms zu stützen. Die Bank geht davon aus, dass die erhöhten Zölle mindestens für die nächsten Monate bestehen bleiben und die Inflation deutlich erhöhen werden – die Kerninflation könnte bis zum Jahresende auf fast 4% steigen.

Fed-Gouverneurin Lisa D. Cook betonte kürzlich in einer Rede an der Universität Pittsburgh die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft, wies jedoch auf die Notwendigkeit einer vorsichtigen geldpolitischen Navigation in Zeiten erhöhter Unsicherheit hin. Der Arbeitsmarkt scheint sich stabilisiert zu haben, mit niedrigen Arbeitslosenraten und einem Gleichgewicht zwischen verfügbaren Arbeitskräften und Arbeitskräftenachfrage. Dennoch gibt es zunehmende Anzeichen für eine Verlangsamung der Verbraucherausgaben und der Unternehmensinvestitionen.

Philip Jefferson, Vizevorsitzender der Federal Reserve, zeigte sich besorgt über die Auswirkungen der Handelspolitik: „Es besteht nach wie vor ein erhebliches Maß an Unsicherheit im Handel, und diese Unsicherheit kann natürlich auf Haushalten und Unternehmensinvestitionen lasten.“ Er betonte, dass es wichtig sei, sich Zeit zu nehmen und die Nettoauswirkungen aller neuen Maßnahmen sorgfältig zu bewerten.

Fiskalpolitische Herausforderungen und Arbeitsmarktentwicklung

Parallel zu den Handelsspannungen steht die US-Regierung vor erheblichen fiskalpolitischen Herausforderungen. Senatoren der Republikanischen Partei planen die Förderung von Trumps umfassender Steuersenkungs-Agenda, obwohl unparteiische Analysten schätzen, dass diese Maßnahmen die Staatsschulden in den nächsten zehn Jahren um 5,8 Billionen Dollar erhöhen könnten.

Der vom Haushaltsausschuss des Senats vorgelegte Plan beziffert die Kosten für die Verlängerung von Trumps Steuersenkungen von 2017 sowie für neue Versprechen – wie die Abschaffung von Steuern auf Trinkgelder, Überstunden und Sozialversicherungszahlungen – auf 1,5 Billionen Dollar über ein Jahrzehnt. Diese Zahl liegt deutlich unter den 4,5 Billionen Dollar, die in einem im Februar vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Entwurf veranschlagt wurden.

Gleichzeitig zeigt der US-Arbeitsmarkt Anzeichen von Stress. Laut dem Outplacement-Unternehmen Challenger, Gray & Christmas stiegen die angekündigten Entlassungen im März um 60% auf 275.240 – der höchste Stand seit Mai 2020 und der dritthöchste monatliche Gesamtwert aller Zeiten. Mehr als die Hälfte der Stellenstreichungen betraf Washington D.C. und spiegelt die Entlassungen im öffentlichen Dienst wider. Tech-Milliardär Elon Musks „Department of Government Efficiency“ (DOGE) hat im Rahmen einer beispiellosen Kampagne der Trump-Administration zur Ausgabenkürzung und Verkleinerung der Regierung radikal Stellen im öffentlichen Dienst abgebaut.

Globale wirtschaftliche Implikationen

Die IWF-Chefin Kristalina Georgieva warnte, dass die von Trump angekündigten umfassenden Zölle ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft darstellen, zu einem Zeitpunkt, an dem das Wachstum bereits träge ist. Sie appellierte an die USA und ihre Handelspartner, konstruktiv zusammenzuarbeiten, um Spannungen abzubauen.

Die Handelspolitik könnte auch langfristige strukturelle Auswirkungen haben. JPMorgan warnt, dass „anhaltende restriktive Handelspolitik und reduzierte Einwanderungsströme dauerhafte Versorgungskosten verursachen könnten, die das US-Wachstum langfristig senken werden.“

Die Zölle werden wahrscheinlich globale Lieferketten stören und zu Preisanstiegen für eine Vielzahl von Produkten führen – von Cannabis über Laufschuhe bis hin zu Apples iPhone. Unternehmen reagieren bereits: Der Autohersteller Stellantis kündigte an, US-Mitarbeiter vorübergehend zu entlassen und Werke in Kanada und Mexiko zu schließen, während General Motors sagte, es würde die US-Produktion steigern.

Während Trump behauptet, dass die Märkte wieder anziehen werden („Die Märkte werden boomen, die Aktien werden boomen, das Land wird boomen“), deuten die aktuellen Entwicklungen auf eine längere Phase der Unsicherheit hin, die es Unternehmen erschwert, die Nachfrage vorherzusagen und langfristige Investitionsentscheidungen zu treffen.

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