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Varta nach Zahlen: Ein Kursziel zum Weglaufen?

Der Batteriehersteller Varta hat seine vorläufigen Zahlen für das erste Halbjahr bestätigt. Dabei verzeichnete der Umsatz einen Rückgang um 5,2% auf 376,8 Millionen Euro. Der operative Gewinn auf Basis EBITDA verbuchte dabei einen überproportional hohen Abschlag von 38,6% auf 68,9 Millionen Euro.

Trotz dieser desaströsen Halbjahresbilanz rechnet Varta damit, seine Ende Juli nach unten korrigierte Prognose im Gesamtjahr erreichen zu können. Für das laufende dritte Quartal rechnet das Unternehmen mit einem bereinigten EBITDA zwischen 40 und 50 Millionen Euro. Beim Umsatz sollen 210 bis 230 Millionen Euro herauskommen. Für das gesamte Geschäftsjahr peilt Varta aktuell beim EBITDA zwischen 200 und 225 Millionen Euro an bei einem Umsatz von 880 bis 920 Millionen Euro.

Varta übt sich in Optimismus

So weit, so gut. Trotz der derzeitigen schwierigen konjunkturellen Lage erwartet das Unternehmen, dass es insbesondere im Lithium-Ion-Geschäft positive Umsatzgröße gibt. Außerdem hofft man darauf, zumindest zum Teil Kostensteigerungen weitergeben zu können und man will die nach wie vor vorhandenen Lieferketten-Probleme durch eine höhere Bevorratung von Rohstoffen abmildern. Indes:

Bewertung noch zu hoch

Auch wenn man fundamental vielleicht jetzt keine neuen Hiobsbotschaften verkünden musste, so bleibt die Charttechnik von Varta doch extrem angespannt, zumal hier auch angesichts der fundamentalen Schwäche die Gewinnbewertung nicht zu passen scheint. Denn immerhin wird die Aktie immer noch mit einem KGV von 38,5 für dieses Jahr bewertet. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei stattlichen 3,7 und das Verhältnis von Kurs zu Gewinnwachstum (PEG) bei regelrecht überzogenen 14,4. Hier lag im Übrigen das 5-Jahres-Hoch gerade mal bei 19,6. Sprich:

Obwohl die Aktie schon massiv korrigiert hat, ist sie angesichts der fundamentalen Rahmendaten weiterhin noch sehr teuer bewertet. Das sehen auch die Analysten so, die in der jüngeren Zeit ihre Ziele regelmäßig nach unten stuften. Der aktuelle Durchschnitt bei den Kurszielen liegt bei 80,50 Euro, also aktuell auf dem derzeitigen Kursniveau. Die jüngsten Analysteneinschätzungen pendeln sich allerdings deutlich darunter ein. So hatte gerade Warburg ein Kursziel von 65,50 Euro ausgegeben, Hauck Aufhäuser sieht 64 Euro und EQUI.TS sogar nur 61 Euro.

Wieviel Spielraum hat die Aktie nach unten?

Wobei hier auch in Betracht gezogen werden muss, dass immer noch das Corona-Tief bei rund 51 Euro mit im Spiel ist. Das wäre jetzt ein aktuelles Abwärtsrisiko von nochmals rund 36%. Damit wäre die Aktie auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen mit einem KGV von rund 25 bewertet. Sicherlich immer noch recht ambitioniert angesichts der derzeitigen Wachstumsschwäche, aber hinnehmbar.

Entscheidend für die Varta-Aktie scheint so die Fragestellung, wie es im Gesamtmarkt weitergeht. Natürlich ist hier durchaus möglich, dass bei einer positiven Marktentwicklung die Aktie diese avisierten Bewertungstiefs nicht noch mal sehen muss. Darauf wetten würden wir allerdings nicht. Denn aus unserer Sicht steht zu befürchten, dass Varta hier im Laufe des zweiten Halbjahres noch mal mit schlechteren Nachrichten rauskommen könnte. Also von unserer Seite aus eher Daumen runter.