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Vorstandsinterview Exklusiv: Mountain Alliance: „2020 war ein sehr starkes Jahr für unser Gesamtportfolio“

Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Mountain Alliance AG (MA, ISIN DE000A12UK08) profitiert vom allgemeinen Digitalisierungsschub, notiert aktuell aber gleichzeitig weit unter dem inneren Wert des Portfolios. Nach dem erfolgreichen Börsengang der Beteiligung Exasol im vergangenen Jahr sollen 2021 weitere Exits folgen: „In einer Phase wie der aktuellen sind alle unsere größeren Beteiligungen potenzielle IPO-Kandidaten“, verrät Mountain-Alliance-CEO Daniel Wild.

Im Exklusivinterview mit BÖRSE GLOBAL spricht CEO Wild u. a. über die interessantesten Sektoren, weitere Aktienkäufe und die geplante Verdopplung des Portfoliowerts.

Mountain Alliance - CEO Daniel Wild

Mountain Alliance – CEO Daniel Wild / © Mountain Alliance

Herr Wild, um den Lesern, die sich mit dem Konzept der Wagnisfinanzierung noch nicht so beschäftigt haben: Könnten Sie kurz einmal den Werdegang beschreiben, wie Sie Portfoliounternehmen auswählen, begleiten und wo Sie letztlich die Gewinnaspekte für Ihr eigenes Unternehmen sehen?

Daniel Wild: Ich investiere seit mehr als 20 Jahren in Start-ups und war z. B. an Xing, Trivago, Smava und vielen anderen erfolgreichen Unternehmen beteiligt. Als privater Seed Investor benötigt man einen Zeithorizont vom Einstieg bis zum Verkauf von rund 8 bis 10 Jahre. Die Mountain Alliance AG zielt bei ihren Engagements auf Wachstumsunternehmen ab, die im Durchschnitt bereits mindestens 5 Jahre alt sind, mit einer Exiterwartung von 4 bis 5 Jahren und deutlich geringeren Ausfallquoten als bei Seedinvestments. Team und Markt sind beim Einstieg die wichtigsten Entscheidungskriterien, denn gute Teams führen Unternehmen auch durch Krisen zu einem erfolgreichen Exit, also Verkauf oder IPO. 

Stichwort Exit: Exasol als Datenbank-Spezialist in der Cloud hat ja im vergangenen Jahr ein vielbeachtetes IPO geschafft, an dem Sie durch das Mountain-Technology-Portfolio ebenfalls beteiligt waren. Haben Sie weitere IPO-Kandidaten im Portfolio?

Daniel Wild: In einer Phase wie der aktuellen sind alle unsere größeren Beteiligungen, die bereits Umsätze im 8- bis 9-stelligen Bereich aufweisen, potenzielle IPO-Kandidaten oder Kandidaten für ein Reverse-IPO mithilfe eines SPAC. Mein erstes Unternehmen, getmobile, ist 2005 durch eine Reverse-IPO-Transaktion an die Börse gegangen. Generell ist die Investorennachfrage derzeit groß, was Finanzierungsrunden auf Beteiligungsebene erleichtert. Durch die damit in der Regel verbundenen deutlichen Wertsteigerungen kann ein Teil der stillen Reserven in unserem Portfolio schon vor dem späteren Exit offengelegt werden.

Wie haben sich die größten Beteiligungen in Ihrem Portfolio zuletzt entwickelt?

Daniel Wild: 2020 war ein sehr starkes Jahr für unser Gesamtportfolio – nicht nur aufgrund der Teilexits bei AlphaPet (Verkauf an Private-Equity-Investor) oder Exasol (IPO), sondern auch dank der sehr positiven Entwicklung bei unseren börsennotierten Beteiligungen Bio-Gate und Asknet Solutions. Firmen wie Shirtinator und getonTV haben darunter gelitten, dass es im Corona-Umfeld keine Events gab bzw. dass weniger Media vor allem aus betroffenen Branchen gebucht wurde. Aber viele unserer Beteiligungen hatten in 2020 Rückenwind, wobei ich hier Lingoda, unsere Online-Sprachschule, besonders hervorheben möchte.

Ein zentraler Fokus Ihres Gesamtportfolio liegt auf dem Bereich digitale Geschäftsmodelle. Wo sehen Sie die weiteren Entwicklungschancen für Ihre Beteiligungsstrategie – eher im Bereich E-Commerce oder mehr im Bereich Technik?

Daniel Wild: Wir haben uns 2018 nicht nur deshalb von Ecommerce Alliance in Mountain Alliance umbenannt, weil wir zwei Portfolien der Schweizer Gesellschaft Mountain Partners AG übernommen haben und damit unser Portfolio signifikant vergrößert haben, sondern auch, weil wir seit geraumer Zeit den Schwerpunkt nicht mehr auf E-Commerce legen. 

© Mountain Alliance

Die Corona-Pandemie – so ja auch unsere eigene Investment-These – wirkt als Brandbeschleuniger für digitale Geschäftsmodelle. Wo sehen Sie hier in den kommenden Jahren mögliche Wachstumschancen und wie reagieren Sie darauf in Ihrer Portfoliogestaltung?

Daniel Wild: Vor einem Jahr, als die Coronakrise ausgebrochen ist, war uns klar, dass es über alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche einen Digitalisierungsschub geben würde. Wir haben uns darüber hinaus gefragt, welche Sektoren besonders profitieren würden. Damals haben wir die drei Sektoren E-Learning, Digital Health und Remote Work identifiziert und dort verstärkt investiert. Beispielsweise mit dem Einstieg bei Asknet im Mai 2020 und mit dem Merger unserer Beteiligung Mentavio mit der Onlinearztplattform Arztkonsultation.de.

Rocket Internet hat sich von der Börse wieder zurückgezogen, andere Risikokapitalfirmen legen neue Schwerpunkte – es scheint, als wenn Deutschland für diese Anlageform weiterhin ein äußerst komplizierter Markt ist, ganz im Gegenteil zu Amerika. Was meinen Sie, woran liegt es und wie wollen Sie als Mountain Alliance dem entgegenwirken? 

Daniel Wild: Ein signifikanter Teil der Wertgenerierung digitaler Unternehmen findet vor einem Börsengang statt. Indem wir in fünf bis sechs Jahre alte Wachstumsfirmen investieren und diese über vier bis fünf Jahre begleiten, profitieren unsere Aktionäre von dieser Wertsteigerung, die durch Verkauf oder IPO realisiert wird. Ich bin davon überzeugt, dass es für Investoren die Möglichkeit geben muss, sich an digitalen Wachstumsfirmen zu beteiligen, ohne sich selbst als Business Angel engagieren oder Millionen in große Venture Capital Fonds investieren zu müssen und sich damit über zehn Jahre festzulegen. Die börsennotierte Mountain Alliance AG bietet genau diese Möglichkeit für Anleger.

Unter Berücksichtigung der Tiburon Unternehmensaufbau GmbH halten Sie selbst rund 6,8 % der Mountain-Alliance-Aktien. Denken Sie angesichts des deutlichen Abschlags zum inneren Wert über weitere Aktienkäufe nach?

Daniel Wild: Ich habe in den vergangenen Jahren regelmäßig Mountain-Alliance-Aktien nachgekauft und werde dies auch weiter tun. Vor allem wenn – wie aktuell – der Net-Asset-Value pro Aktie, der zum 30.06.2020 bei 6,33 Euro lag, deutlich über dem aktuellen Aktienkurs steht. Gleichzeitig gibt es verschiedene Phasen im Jahr, in denen ich nicht kaufen darf, z. B. weil die Veröffentlichung der Geschäftszahlen oder spannende Exits bevorstehen.

Chart Mountain Alliance

Chart Mountain Alliance

Welche Ziele haben Sie mittelfristig mit der Mountain Alliance AG?

Daniel Wild: Aktuell haben wir ca. 50 Mio. Euro Portfoliowert. In den nächsten zwei bis drei Jahren wollen wir diesen Wert auf 100 Mio. Euro verdoppeln. Diese geplante Steigerung basiert einerseits auf dem starken Wachstum unserer Portfoliofirmen und andererseits auf wertsteigernden Portfoliozukäufen, nach denen wir ständig Ausschau halten. Bei dieser Größe werden wir dann auch für viele Investoren interessant, bei denen wir aktuell noch nicht auf dem Radar erscheinen. Und natürlich wollen wir auch weiterhin jedes Jahr mindestens ein bis zwei lukrative Exits realisieren.

Herr Wild, besten Dank für das Interview.

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