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Weekend Call! – Mit Carnival & Co., Boeing, Apple, Wasserstoffaktien – Ballard Power, Nel ASA etc. – und Robotik-Werten wie Kion, iRobot und Zebra

Liebe Leser,

mit den steigenden Kursen steigen auch die Emotionen. Der tägliche Schlagabtausch der Streitgeister über Sinn und Unsinn der Kursavancen bzw. den (fehlenden) Bezug zur „Realität“ und der daraus folgenden Geräuschkulisse lenkt von den wahren Hintergründen ab und trägt dazu bei, das viele Investoren nicht erkennen, was hier unter der Oberfläche passiert. Wohl dem, der zu all diesem eine gesunde Grunddistanz bewahrt.

Ob es dem Beobachter nun gefällt oder nicht, spielt keine Rolle: die aktuelle Entwicklung an den Weltbörsen ist absolut normal und weder unsinnig noch übertrieben, noch eine Abnabelung des Marktes von der konjunkturellen Lage, und schon gar nicht eine Irrationalität des Kapitalismus oder eine Fehlleitung von Geld. Wer dies alles unterstellt und zum Besten gibt, hat einfach nicht verstanden, wie Kurse zustande kommen.

Schaffen die USA die „V“-Erholung?

Die USA haben tatsächlich die Chance einer „V“-Erholung in der Wirtschaft. Die Proteste mögen da stören und das Bild trüben. Aber sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der durchschnittliche Amerikaner in erster Linie einfach nur arbeiten will (und muss). Der hohe Grad an Eigenverantwortung als Ergebnis eines fehlenden Sozialstaats macht dies zur zwingenden Notwendigkeit. Die 2,5 Millionen Arbeitsplätze, welche im Mai (!) geschaffen (!) wurden, obwohl die „Forscher“ 8 Millionen zusätzliche Arbeitslose erwartet hatten, spiegelt wider, wie sehr der Amerikaner immer wieder unterschätzt wird. Diese Unterschätzung ist das, was uns Europäer so ohnmächtig macht. Sie nerven uns, diese ewigen Stehaufmännchen!

Die Folge: Die Börsen antizipieren das Mögliche. Sie reflektieren und übertragen die Daten der Unternehmen und der Wirtschaft auf die Zukunft und folgern wohl eher richtig als falsch: vor dem Hintergrund fehlender struktureller Defizite vor Beginn der Krise ist eine Rückkehr zu alten Stärken durchaus machbar und zwar zum Jahreswechsel. Das erwartet keiner, und gerade deshalb ist es so wahrscheinlich. Wenn wir so wollen, ist das der weiße Schwan als Gegenstück zum schwarzen Schwan, der Pandemie.

Zu den Unternehmen und den Aktien:

Die Verlierer der Pandemie rücken nun immer mehr in den Vordergrund. Das gilt sowohl für die Wall Street als auch für Europa. Zuerst der Blick nach New York:

Kreuzfahrt-Reedereien bleiben heiß!

Vorige Woche hatten wir an dieser Stelle die Kreuzfahrtgesellschaften wie Carnival Corp in den Fokus gerückt. Zwischenbilanz nur einer Woche: +43%!  Und das dürfte erst der Anfang sein. Selbiges gilt für Norwegian Cruise und Royal Caribean. Hier stehen alle Ampeln auf grün, wie wir am 29. Mai es bereits begründeten.

Das Angekündigte ist nun erfolgt und allein der technische Spielraum geht bis mindestens 35 Dollar, dort, wo die 200-Tagelinie verläuft. Wird sie ebenso einfach durchschritten wie die US-Indices es vorgemacht haben, stehen die 40 Dollar, also das Vor-Krisen Niveau, im Raum. Das sind noch immer knapp 100 %, die sehr schnell erreicht werden können. Untermauert wird dies von der stabilen Finanzlage der Unternehmen, die eigentlich noch Monate ohne eine einzige Kreuzfahrt überleben könnten, und der anziehenden Nachfrage (Buchungen), welche nun mit den Lockerungen eintrudeln. Da braucht es kein Börsengenie, sondern nur einen einfachen Taschenrechner, um sich das Szenario per 2022 auszurechnen!

Chart Carnival

Chart Carnival

 

 

Boeing berappelt sich wieder

Ebenfalls unverändert auf den Schirm gehört Boeing. Der angeschlagene Hersteller der Unglücksmaschine 737-Max kommt aus den Startlöchern, weil die Produktion doch tatsächlich wieder angelaufen ist. Doch wer kauft in der Krise überhaupt Flugzeuge?

Antwort: noch niemand, im Gegenteil, noch immer werden Bestellungen auf Eis gelegt oder vollständig zurückgenommen. Aber jene Fluggesellschaften, welche ihre großen Maschinen wie den Airbus A380 auf den Prüfstand stellen (Emirates) und die Flotte eher in Richtung mittlere Größen ausrichten, werden gewinnen, wenn die Bürger weltweit wieder die Lust am Urlaub verspüren.  Oder haben Sie vor, wegen der Pandemie nie wieder eine Fernreise zu unternehmen?

Dabei wird auch Boeing mitmischen und auch mit der 737-Max, denn: Ungeachtet des Softwareproblems (welches wohl ausreichend behoben wurde), ist die 737 ein hervorragendes Flugzeug und nicht ohne Grund ein Bestseller von Boeing. Fazit: Wir sollten nicht den Fehler machen, die Gegenwart in die Zukunft zu projektzieren! Boeing gehört also zumindest mit einer Anfangsposition ins Depot.

Chart Boeing

Chart Boeing

Apple transformiert sich erneut

Apple hat es nun auch geschafft. Parallel zum Nasdaq wurde die Krise vollständig im Kurs kompensiert, und der erfolgte Ausbruch bzw. neue Rekordkurs ist als Kaufsignal zu werten. Denn auch Apple ist noch immer fleißig dabei sich neu zu erfinden, hin zu einem Medienunternehmen und Zahlungsdienstleister mit sehr ambitionierten aber auch machbaren Perspektiven. Apple ist jetzt ein Kauf, doch wie viel Spielraum gibt es?

Im Fokus steht die Dynamik der am schnellsten wachsenden Segmente des Technologieriesen: Dienstleistungen und Wearables, Heim und Zubehör. Der Umsatz mit Dienstleistungen stieg bereits im Geschäftsjahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 16% und der Umsatz mit Wearables, Haushaltswaren und Zubehör im gleichen Zeitraum um 41%. Da diese beiden Segmente im Verhältnis zum Gesamtumsatz von Apple auch jetzt noch munter weiter wachsen, werden sie dazu beitragen, die Abhängigkeit des Unternehmens vom iPhone auszugleichen und Apple in den kommenden Jahren wahrscheinlich dabei zu helfen, seine Gesamt- und Gewinnspanne zu steigern.

Das schnell wachsende Geschäft mit Wearables des Technologieunternehmens diversifiziert den Hardware-Umsatz des Technologieunternehmens und bereitet es auf eine wahrscheinliche Rückkehr zum Wachstum nach COVID-19 vor. Das Servicegeschäft von Apple verwandelt das Fundament von 1,5 Milliarden aktiven Apple-Geräten in eine wachsende, immer wiederkehrende Einnahmequelle. Wer jemals Apple-Pay benutzt hat, weiß, wovon hier die Rede ist.

Europa entdeckt das Wasserstoff-Thema

In Europa ist das Thema der Woche Wasserstoff. Nun, da Berlin ein 9 Mrd. teures Wasserstoffprogramm ins Leben gerufen hat, überschlagen sich die Erwartungen, Hochrechnungen und entsprechend auch die Kurse der Wasserstoff-Aktien.  Angesichts der Dynamik des Wasserstoff- und Brennstoffzellenmarktes stellt sich also die Frage: Mit welchen Aktien kann man an der Entwicklung teilhaben?

Ballard Power, NEL Asa, Plug Power oder auch eine ITM gehören in den Fokus. Gerade in der Personenbeförderung gewinnt die Brennstoffzelle. In einer Studie vom September 2019 prognostizierte Grand View Research, dass der Markt für Brennstoffzellen von 8,2 Mrd. Dollar weltweit bis 2025 auf über 24 Mrd. Dollar anwachsen wird. In Regionen wie Europa, die derzeit noch eine relativ geringe Bedeutung für die Branche haben, könnte das durchschnittliche Jahreswachstum bis zu 26% betragen. Das Potenzial bleibt also enorm. Aber dabei sollte gewissenhaft unterschieden werden zwischen realistischen Entwicklungen und gehypten Einzelwerten. Wir werden dazu in diesen Tagen das Thema gesondert aufgreifen.

Chart Nel ASA

Chart Nel ASA

Robotik-Aktien fangen an zu laufen

Abschließend: Am 23. Mai schrieben wir, dass Robotik-Aktien wie Zebra Technologies, iRobot, Deere, Cognex, die deutsche Kion Group, ABB aus der Schweiz sowie die japanische Fanuc alle in den Fokus gehören. Wohl dem, der sich die Zeit genommen hat, diese unter die Lupe zu nehmen. Die kräftigen Kursavancen seitdem sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies erst der Anfang ist! Robotik wird, dank der Krise, in den kommenden Jahren einen immensen Schub erhalten, weshalb auch hier Korrekturkurse, sofern sie denn eintreten, unbedingt zu nutzen sind!

Chart Kion

Chart Kion

Ein Ausblick auf die kommende Woche

Wie sieht die kommende Woche aus? Auf der Agenda stehen am Montag Daten zur deutschen Industrieproduktion sowie Handelsbilanz und Import. Wichtiger werden in den USA die Erstanträge für Arbeitslosenhilfe (Donnerstag) sowie das Verbrauchervertrauen (Freitag). Passen die vorgelegten Daten in das Bild vom Freitag vergangener Woche, dürfte es spannend werden, weshalb wir an dieser Stelle an die Einleitung dieses Beitrags erinnern!

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